630 Die Zangenoperation am hochstehenden Kopf.
fahrung über diese Art von Vorbereitung der Dammrisse belehrt worden.Ist erst die hintere Vaginalwand durchfurcht, so ist es erklärlich, dassbeim Durchschneiden das scheinbar geringste Einreissen der äusserenHaut zu einem zolllangen Riss führt und die Verletzung unerwartetweit an dem Septum recto-vaginale hinaufreicht.
Durch das regelmässige Nachfühlen per rectum bemerkt man, obdie Zange vollständig am Kopf anliegt oder darüber vorsteht, und nochehe ein Schaden entstanden ist, kann man durch Lockern im Schloss undAnziehen der Löffel einer unangenehmen Ueberraschung vorbeugen.
Die Zangenoperation unter besonderen Verhältnissen.
Wir zählen dahin die Operation am hochstehenden und nach-folgenden Kopf, bei tiefem Querstand, bei dritten und vierten Schädel-und bei Gesichtslagen.
Die Zangenoperation am hochstehenden Kopf.
Wir haben schon früher bei der Untersuchungsmethode angegeben,wie „hoch- und tiefstehender Kopf diagnosticirt werden könne. (Vergl.p. 99.) Der Hockstand braucht natürlich keine genauere Definition,wenn beim Touchiren die ganze Beckenhöhle leer gefunden wird.
Ein normal grosser Kopf, der mit der Leitstelle sich in der Ebeneder Spina ischii befindet, ist mit dem grössten Umfang durch denBeckeneingang gegangen. Steht aber der Kopf oder sagen wir genauerdie Schädelwölbung um ca. einen Querfinger höher als die Spina ischii,so befindet sich der grösste Schädelumfang gerade im, bei einem nochgrösseren Abstand sogar über dem Beckeneingang.
Bei der gewöhnlichen Zangenoperation, welche dem Vorbild derNatur (deswegen typisch genannt) folgen will, muss der Kopf tief imBeckenausgang stehen.
Wenn die Zange in Nachahmung der Natur gebraucht werdensoll, so ist daran zu erinnern, dass man nur die dritte Drehung desGeburtsmechanismus — das Durchziehen und Erheben des Kopfesum die Symphyse — nachahmen kann. Es ist nicht möglich, dieDrehungen des Kopfes im Becken — die Drehung der Pfeilnaht unddas Senken der kleinen Fontanelle — mit der Zange nachzuahmen unddie Operation mit dem Forceps ist immer ein Verfahren auf Biegenund Brechen, wenn man mehr damit thun will, als er seiner Con-struction nach leisten kann.
Die typische Zangenoperation, also dasjenige Verfahren,das sich innerhalb der theoretischen Grenzen hält und das ohne jedeAusnahme als berechtigt und richtig anerkannt wird, ist nur dannmöglich, wenn der grösste Umfang unterhalb des Beckenein-ganges steht, also die Spina ischii gar nicht mehr oder nur