Die Dammrisse durch zu starkes Erheben der Griffe. 629
Das Durchschneiden des Kopfes bei der Zangenextraction.
Die Zugrichtung haben wir angegeben; die Griffe müssen sehrstark erhoben werden. Dass man die Zange vor dem Durchschneidenabnehmen soll, möchten wir nicht principiell verlangen. Ist die Resi-stenz der äusseren Genitalien sehr gross, so erlebt man gelegentlich,dass beim frühen Abnehmen der Zangenblätter der Kopf wieder zurück-weicht, man also die Zange von neuem anlegen muss. Andererseitsbegünstigen gerade beim Durchschneiden des Kopfes die nicht ganz an-liegenden Blätter einen Dammriss, dessen Vermeidung eine der wichtig-sten Aufgaben sein muss.
Schon einmal wurde für das Erheben des Kopfes die Nachhülfevom Rectum aus, also die Anwendung des Handgriffes von Olshausenempfohlen. Wir kennen die Einwendungen, die gegen „die Manipu-lationen vom Rectum aus" gebraucht werden. Wir wollen keine Zer-kratzungen der Mastdarmschleimhaut und haben bei häufiger Anwendungdes betreffenden Handgriffes auch niemals Zerkratzungen gemacht. Wollteman alle Mittel verbannen, die gelegentlich schaden können, so würdegar nichts übrig bleiben. Die Zerkratzungen sind nur die Folgen desMissbrauches und der Ungeschicklichkeit des empfohlenen Verfahrens.Man schneide die Nägel ganz kurz und bohre nicht die Fingerspitzenein, so kann es keine Verwundung geben.
Sieht man, dass die vom Rectum aus flach an den Kindesschädelgelegten Zeige- und Mittelfinger denselben festhalten, so kann man dieZange abnehmen oder doch im Schloss lockern und die einzelnen Blätteranziehen. Die Anwendung des Handgriffes von Olshausen kann aller-dings, wenn man auf die Stirn und den Schädel drücken würde, demKind schädlich werden. Dagegen ist das einfache Einschieben vonzwei Fingern zwischen Kreuzbein und Schädeldach und das Festhaltendes Kopfes unschädlich, weil dazu der Druck keineswegs gross seinmuss. Es ist ja nur die Elasticität der Vulva zu überwinden.
Was' die Dammrisse bei Zangenentbindungen bedeutungsvollermacht, ist die ungewöhnliche Grösse derselben. Wenn währendeiner Zangenoperation beim Erheben der Griffe ein Dammzu reissen beginnt, so entstehen dabei meist Verletzungen,über deren Ausdehnung man sich bei der näheren Unter-suchung höchlichst wundert.
Natürlich ist es, dass ein Arzt die Ursache für die ungewöhnlicheGrösse in allem anderen eher sucht als in seinem Operationsverfahren.Wenn es auch gelegentlich vorkommen kann, dass der Damm durcheinen lang dauernden Tiefstand des Kopfes besonders mürbe wurdeund deswegen eher riss, so glaube ich die Mehrzahl der grossen Ein-risse bei Zangenoperationen richtiger damit zu erklären, dass dieRisse durch die vorstehenden Zangenspitzen oder ein zu ge-waltsames Spannen der hinteren Scheidenwand beim raschenErheben der Griffe vorbereitet wurden. Ich bin durch eigene Er-