Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
628
Einzelbild herunterladen
 

628

Das Abgleiten der Zange.

Das Abgleiten der Zange kann auf zweierlei Art zu Standekommen. Entweder gehen die Spitzen der Zange auseinander undgleiten über das Hinterhaupt, die Schläfenbeine u. s. w. hinweg in derRichtung des Zuges vom Kopf ab. Oder die Zange verschiebt sicham Kopf — der wohl immer, wenn dies möglich ist, schlecht gefasstwar — so dass die Rippen der Zangenlöffel schrittweise ein kleineresSegment der Schädelrundung umfassen und endlich ganz abgleiten unddem Zuge folgen.

Von der Lachapelle hatte die erste Art die Benennung verticalesAbgleiten bekommen und zwar wahrscheinlich, weil es in der Richtungdes Zuges, der eben unter solchen Verhältnissen vertical ist, zu ge-schehen pflegt. Horizontal heisst die andere Art.

Schon die Benennung vertical deutet an, dass es sich beim Ab-gleiten meistens um einen hochstehenden Kopf handelt. Es ist dabei

Fig. 197.

Die Zange in horizontalem Abgleiten begriffen.

der Kopf viel schwieriger, häufig nur an einem kleinen Segment zufassen.

Dass beim Zangenabgleiten sehr schwere Verletzungen entstehenkönnen, wurde früher vielfach angegeben und diesen Angaben nach-erzählt. Es lässt sich auch, namentlich beim verticalen Abgleiten derZange denken, dass die Spitzen sehr stark gegen den Kopf des Kindesdrücken und daselbst Zerrungen und Zerreissungen machen; ferner,dass die Zangenspitzen beim raschen Herausfahren Verletzungen desScheideneinganges in der Nähe der Corpora cavernosa clitoridis ver-schulden, die eine heftige Blutung bedingen. Wir haben nur bei derLachapelle I mem. solche Zerreissungen erwähnt gefunden.