Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
603
Einzelbild herunterladen
 

Die Expression. 603

gewaltsame Zangenextraction das Kind aus der drohenden Gefahrnicht rettet, dasselbe vielmehr einer anderen, eventuell noch grösserenGefahr aussetzt.

Die Expression.

Literatur.

Kristeller: Berl. Min. Wochenschr. 1867. Nr. 6 u. M. f. G. Bd. 29. S. 337.Ploss: Zeitschr. f. M. Ch. u. G. 1867. p. 156. - Abegg: Zur G. u. G. Berlin1868. p. 32. Playfair: Lancet 1870. Vol. II. p. 465. Breisky: Correspon-denz f. Schweiz. Aerzte 1875. Nr. 5, gibt die Grenzen für die Anwendung derKristeller'schen Expression an. Bidder: Die Kristeller'sche Expressio etc.Zeitschr. f. G. u. G. Bd. II. 1878. p. 267. u. Bd. III. 1878. p. 241.

Wenn auch schon unzählige Male, auf Eingebungen des Augen-blickes, gedrückt worden ist, ohne dass davon viel Aufhebens gemachtwurde, so wollen wir doch diesen Abschnitt nicht übergehen, nachdemer von anderer Seite der Beachtung für werth gehalten wurde.

Zur methodischen Anwendung der Expression hat zuerst Kri-steller ] ) gerathen: Man lasse die Frau die Rückenlage einnehmen undstelle sich zur Seite des Lagers. Dann umfasse man den Uterus vonunten her, so dass man dem Gesicht der Kreissenden zugewendet ist,mit trockenen Händen möglichst weit hinten, mit nicht sehr gespreiztenFingern, aber nur an der oberen Hälfte. Erst langsam reibend, gehtman zu einem gelinden und allmählich sich steigernden Drucke über.

Die Ausführung braucht sich nicht ängstlich an gegebene Vor-schriften zu halten, wenn deren Princip klar gelegt ist. Der Rath zurExpression ging aus von den günstigen Erfolgen der Expressio pla-centae, des Crede"'schen Handgriffes.

Principiell ist die Nachhülfe durch eine drückende Hand ganzrichtig. Man ersetzt zum Theil die Kraft des Uterus, andererseits gibtman ihr einen Rückhalt. Und doch wird diese Methode niemals in dieärztliche Praxis eintreten. Dieses Gefühl hat der, welcher die Anwen-dung gelegentlich schon versucht hat.

Wir müssen nach den Gründen suchen, welche eine Brauchbarkeitdes Verfahrens ausschliessen. Unserer Meinung nach bestehen sie darin*dass die Manipulation bei wehenschwachem Uterus nutzlos ist,und gerade bei der secundären Wehenschwäche wäre die Nachhülfewiinschenswerth. Wenn der Uterus selbst sich nicht contrahirt, habenwir keinen Einfluss auf die Weiterbeförderung des Kindes, sondern wirverschieben und verdrängen nur Fötus sammt Uterus in der Leibes-höhle oder in das untere Uterinsegment hinein.

Auch bei dem schon aus dem Muttermund in die Vagina ge-langten Kopfe ist die Einwirkung keineswegs von dem Werth, wennder Uterus unthätig ist.

Dies schränkt also die Bedeutung der Expression wesentlich ein.

M. f. G. Bd. 29. p. 337.