Die Indicationen zu entbindenden Operationen. G01
Wenn diese Drehungen etc. möglich waren, so kann nach demKopfstand die Abwesenheit irgend eines Hindernisses angenommenwerden — es ist damit ein räumliches Missverhältniss zwischen Kopfund mütterlichem Becken ausgeschlossen.
Die 5) Vorbedingung lautet danach: der Kopf darf nicht zu grossund nicht zu klein sein und
6) darf kein enges Becken vorhanden sein.
Unter diesen Verhältnissen, die regelmässig während der Aus-treibungsperiode gegeben sind, ist auch die Extraction, d. i. diekünstliche Entbindung, leicht möglich, und damit sind die sog. Vor-bedingungen in ihrem Princip aufs einfachste erklärt.
Es folgt daraus, dass es bei einer jeden normal verlaufenden Ge-burt in Schädellage einen bestimmten Zeitraum gibt, in welchem diekünstliche Entbindung möglich wäre.
Die Indicationen.
Bei keinem physiologischen Acte würde es irgend einem Menscheneinfallen, künstlich einzugreifen, so langt alles gut geht. Da aber dieGeburt mit den heftigsten Schmerzen verbunden ist, können begreif-,licher Weise die, welche die Qual erdulden, und deren Angehörige niefinden, dass es „gut" gehe.
Auch für den Arzt liegt aus Menschlichkeit und Erbarmen derWunsch sehr nahe, helfend einzugreifen. Aber die wahre Humanitätbesteht darin, nur den richtigen Weg einzuschlagen, und dieser ist beider Geburt klar vorgezeigt. Es müssen Mutter und Kind gesund über dasEreigniss hinweggelangen und beide auch wohlbehalten bleiben.
Dieses Ziel ist sicher eher zu erreichen durch eine zu-rückhaltende Leitung der Geburten, als durch unnöthigesOperiren.
Es ist unbestreitbar, dass die Neigung zu Wochenbettserkrankungenbei operativ beendigten Geburten viel grösser ist als bei normalen,und dass demnach die Gefahr für die Gesundheit der Mutter selbst beilängerer Dauer und sehr schmerzhaften Wehen viel geringer ist alsbei Operationen.
Andererseits kann auch für das Kind, selbst da, wo dessen Lageeine ganz ausgesucht günstige ist, eine recht' leichte Zangenoperationden Tod bringen, ohne welche es sicher nicht gestorben wäre. Es hatzuerst Hecker darauf aufmerksam gemacht, dass ihm ein Kind beider Zange abstarb, weil die Spitze des einen Blattes auf eine um denHals liegende Nabelschnurschlinge drückte.
Das Gleiche ist mir 2mal vorgekommen, und da es kein Mittelgibt, intra partum die Umschlingung um den Hals zu erkennen, be-ginnt man die Operation ahnungslos und muss sicli am Schluss sagen,dass, wenn man nicht operirt hätte, das Kind lebend zur Welt gekommenwäre. Man soll auf ein solches Beispiel nicht einwenden, dass dieses