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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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600 Die Vorbedingungen zu entbindenden Operationen.

IL Klasse:

Die entbindenden Operationen.

Die Vorbedingungen zu entbindenden Operationen im

allgemeinen.

Um zu erfahren, wie es bei einer Geburt stehen muss, damitirgend eine entbindende Operation, z. B. die Zangenextraction möglichsei, können wir kurz auf den natürlichen Verlauf verweisen. DieEx-traction" muss die natürliche Austreibung durch den Uterus ersetzenund in allen einzelnen Zeitabschnitten soll die Operation so viel alsmöglich den Naturkräften ähnlich wirken. So haben wir also unserAugenmerk auf die Voi'gänge während der Austreibungsperiode zurichten, um verstehen zu lernen, wie und wann man die Naturkräftedurch Kunsthülfe ersetzen kann.

Um das Wesen der Vorbedingung zu erläutern, müssen wir zu-nächst auf daswann" eingehen.

Bekanntlich theilt man die Geburt in drei Perioden ein, rechnetdie Eröffnungsperiode von den ersten Wehen bis zur vollständigenEröffnung des Muttermundes und die Austreibungsperiode bis zurvollkommenen Entwicklung des Kindes. Die dritte ist die Nachge-burtsperiode.

In der zweiten Zeit der Austreibungsperiode ist unter normalenVerhältnissen

1) der Muttermund vollkommen eröffnet und über den Kopfzurückgezogen;

2) die Eiblase gesprungen;

3) der Kopf des Kindes auf den Beckenboden getreten.

Es hat dasselbe dabei die Drehungen des Geburtsmechanismusgemacht und seine Stellung in bestimmter Weise verändert. Will mangenauer angeben, wie sich der Kopf im Becken befindet, so muss manerwähnen:

a) ob derselbe unbeweglich und tief steht;

b) ob sich die Pfeilnaht des kindlichen Schädels in der Richtungdes queren, schrägen oder geraden Durchmessers des Beckens befinde;

c) ob die kleine oder die grosse Fontanelle tiefer (dem Becken-ausgang näher), resp. wie sie zu einander stehen.

Diese drei Angaben definiren den Kopfstand vollständig, undje nachdem dieselben lauten, kann der Geburtshelfer beurtheilen, obder Drehungsmechanismus schon beendet sei oder nicht.

Für den oben angenommenen Fall einer normalen Geburt stehtgegen Ende der Austreibungsperiode .

4) der Kopf tief und fest, mit der Pfeilnaht ziemlich im geradenDurchmesser und die kleine oder Hinterhauptsfontanelle tiefer als diegrosse und dementsprechend nach vorn.