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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
599
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Inhaltsübersicht. 599

3) Nun gibt es Fälle, in denen der Muttermund nach gesprungenerBlase sich nur langsam unter anhaltenden Wehen eröffnet. Begreiflichwird dadurch die Beweglichkeit des Kindes immer geringer und späterdie innere Wendung um so schwerer.

Wo bei engem Muttermuni die Wendung dringend nöthig ist, kannnur die combinirte Wendung ausgeführt werden.

4) Bei der combinirten Wendung gehen nur 1 2 Finger in dieGebärmutterhohle, die übrige Bland in die Scheide ein. Um so wichtigerist das Gegendrücken von Seiten der aussenliegenden Hand.

5) Die Vorbereitungen zu jeder Art von Wendung sind gleich. Daserste ist die Desinfection der Kreissenden, besonders auch der Scheide, unddie Urinentleerung derselben. Dann folgt die Herrichtung zu allfällignothwendig toerdender Wiederbelebung des Kindes, dann die Chloroform-narkose in einem freistehenden Bett. Erst jetzt und während der Ein-leitung der Narkose desinficirt der Geburtshelfer seine Arme.

6) Die Wendung selbst wird begonnen unmittelbar nach Ablaufeiner Contraction, die Frau mittels der einen Hand, die auf den Bauch-decken entgegendrücken soll, durch Ziehen am Knie in die Seitenlage undan den Bettrand gezogen. Darauf geht die andere Hand, ivelche von derDesinfection weg nichts mehr berührt hat, konisch zusammengelegt durchdie Genitalien ein und vollzieht die Wendung, -wie oben beschrieben.

7) Ausser der Seitenlage kann noch die Steissriickenlage im Quer-bett in Betracht kommen. Alles kommt bei der Lagerung darauf an, demOperateur den Eingriff zu erleichtern. Wir geben im allgemeinen derSeitenlage den Vorzug gerade für die Verhältnisse der Praxis.

8) Wenn der ganze Unterschenkel des Kindes vor den äusserenGeschlechtstheilen steht, befindet sich der Steiss im Beckeneingang. EineGeradlage ist damit hergestellt, die Wendung vollendet.

Von da an kann man die Geburt leiten, wie bei primären Becken-endlagen. Sicher wird man ja auch bei diesen, im Fäll von Gefahr fürdas Kind, sofort extrahiren, wenn der Muttermund vollkommen eröffnetist. Bei uneröffnetem Muttermund ist freilich zu bedenken, dass dieExtraction, ohne das gefährdete Kind retten zu können, die Mutter in dieGefahr der tiefen Cervixrisse bringt.

9) Ein Hauptgrundsatz ist darum, sofort nach der Wendung nachden Herztönen des Kindes und nach der Eröffnung des Muttermundeszu untersuchen, weil sich derselbe durch das Anziehen des Kindes oftüberraschend schnell erweitert, selbst da, wo er vor der Wendung wenigeröffnet war.

10) Gefährlich ist das Uebersehen einer unvollkommenen Wendung,wobei ein Fuss in der Scheide, der Kopf noch auf einer Darmbeinschaufelsteht. Die Gefahr besteht in einer übermässigen Querausdehnung desunteren Gebärmutterabschnittes und Zerreissung desselben oder in Uterus-ruptur, weil das Kind nicht austreten kann.

Zur Abhülfe dient der doppelte Handgriff der Siegemundin.