Prognose der Wendung. 597
diese Operation ein sehr grosser Eingriff, gefährlich für die Mutterund gefährlich für das Kind. Die Prognose ist nun für beide günstigerund zwar am auffallendsten für die Mutter, wenn es sich um "Wen-dungen auf den Kopf handelt. Während von 53 Wendungen auf denKopf 38 Kinder oder 70,7 °/o lebend und nur 15 oder 28,3 °/n todtkamen, auch nur eine Mutter starb, stellte sich das entsprechendeZahlenverhältniss bei der inneren Wendung auf die Füsse so heraus,dass bei 3475 Operationen nur 1434 Kinder oder 41,2 °/o lebend und2041 oder 58,9 °/o todt zur Welt kamen. 291 Mütter verloren dasLeben, d. h. 8,4 auf 100 Operationen, während die Mortalität fürsämmtliche Operationen, mit Ausschluss der Nachgeburtsoperationen, je-doch 5,5—5,8 °/o betrug (Sickel). Es gibt nichts, was deutlicher fürdie Wendung auf den Kopf spräche, und zwar nach der combinirtenMethode, als dieser Unterschied; aber man darf nicht übersehen, dassdies eben die leichteren Fälle überhaupt waren und die Wendung aufden Kopf gerade da gemacht wird, wo man die schweren Eingriffe nochvermeiden kann.
Diese Zusammenstellung zeigt ferner, dass jede Methode der Wen-dung mit geringem Eingriff weniger gefährlich ist. Ganz gewiss spielthier die Infectionsgefahr die Hauptrolle. Da in allen diesen Berichtendarauf keine Rücksicht genommen wurde, so müssen erst spätere Zu-sammenstellungen den Nachweis bringen, wie viel Gefahr für die Mütterdurch entsprechende Prophylaxis vermieden werden kann.
Wenn auch im allgemeinen der Grundsatz, möglichst conservativzu verfahren und sich ohne dringende Indication an keine Wendungzu wagen, immer Bestand haben wird, so ist es doch gerade wegender Zulässigkeit der Wendung beim engen Becken sehr wichtig, dieeine Gefahr für die mütterliche Gesundheit beseitigen zu können. Denndie Wendung wird hiebei wesentlich aus dem Motiv unternommen,das Kind am Leben zu erhalten. Wenn man dabei jedesmal einegrössere Gefahr für die Mutter eintauscht, wäre die Zulässigkeit derWendung wegen engen Beckens nicht zu rechtfertigen. Am häufigstengehen die Kinder bei oder nach der Wendung zu Grunde durch dassog. Reiten auf der Nabelschnur, dass also die Nabelschnur beider Umdrehung mit vorgezogen wurde und dann zwischen den Steissdes Kindes und die Beckenwand eingeklemmt wird. Dieses Mitziehender Nabelschnur kann durch Seitenlagerung und ein Eingehen längsder vorderen Uteruswand am ehesten eingeschränkt werden. Kam estrotz der angewandten Vorsicht zu Stande, so ist dies an dem Herz-schlag des Kindes zu erkennen und kann nur ein sofortiges Lockernund Zurückstreifen des Nabelstranges und schleunige Extraction dasKind retten.
Das Einbohren der Finger in die Placenta und daraus folgendeBlutungen gestatten eher eine rasche Wiedererholung der kindlichenHerztöne.
Um die Kindersterblichkeit möglichst einzuschränken, halten wireine besonnene Leitung der künstlich hergestellten Beckenendlagen für