Die äussere Wendung. 595
Lagerung der Kreissenden. Als Regel für die letztere gilt es, die Frauimmer auf diejenige Seite zu legen, in welcher das Hinter-haupt sich befindet. Und wenn auf diese Weise der beabsichtigteZweck nicht erfüllt wird, so probirt man es gerade mit der entgegen-gesetzten Seitenlage.
So unbedeutend a priori die Lageänderung zu sein scheint, so istdoch deren Werth gar nicht gering anzuschlagen. Dazu kommt nochderen vollkommene Ungefährlichkeit als Vorzug.
Was die Ausführung der äusseren Wendung betrifft, so empfehlenwir den Vorschlag Hegar's zur Nachahmung. Die Kreissende sollauf dem Rücken liegen. Der Geburtshelfer stelle sich so an das Bett,dass er bei der äusseren Wendung den Kopf des Kindes gegen sichheranziehen kann — also links, wenn der Kopf rechts abgewichen ist,und vice versa. Während einer Wehe lege man die rechte Hand anden Kopf, die linke an den Steiss. Beim Nachlass der Contractionumfasst die Rechte den Kopf so vollständig als möglich und drücktdenselben nach dem Beckeneingang, die andere sucht den Steiss nachdem Fundus uteri zu bringen. Die Chloroformnarkose ist nicht noth-wendig.
Die Beweglichkeit des Kindes muss die bestmögliche sein. Warenschon kräftige Wehen vorhanden, so ist das Gelingen unsicher — istdie Blase vorher gesprungen, so ist es erst recht unwahrscheinlich.Wir halten es in jedem Fall, wo der Arzt die Notwendigkeit derWendung erkannt hat, für richtig, mit unsicheren Methoden keine Zeitzu verlieren. Wir würden also niemals bei ganz eröffnetem Mutter-mund und noch erhaltenem Fruchtwasser uns lange mit deräusseren oder combinirten Wendung aufhalten, sondern bei unvoll-kommenem Erfolg ohne viel Säumen an die innere Wendung gehen.
Häufigkeit der Wendung. Prognose.
Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, auf die detaillirte Sta-tistik der Wendung einzutreten. Specielle Fragen der Technik undder Erfolge sind selbst bei den sehr grossen Zahlen merkwürdigerWeise nicht zu beantworten, und dies liegt wesentlich an der ungleich-massigen Bearbeitung der Jahresberichte der verschiedenen Instituteund Länder. Sickel berechnete in seiner ersten Zusammenstellung,dass auf 12,612 Geburten in Gebäranstalten 170 Wendungen oder1,3 auf 100 Geburten kamen. In einer späteren Zusammenstellung ausdeutschen und ausländischen Gebäranstalten und ganzen Landschaftenergab sich, dass von 447,163 Kindern 3781 oder 0,84 °/o gewendetwurden. Von Rick er besitzen wir eine Statistik über die operativeGeburtshülfe im Herzogthum Nassau, die in der obigen von Sickelschon mit eingerechnet war. Hier kam die Wendung unter 304,150 Ge-burten 2474mal vor, also auf 200 Geburten 0,81 Wendungen. Indieser Zusammenstellung kam die Wendung unter 530 Fällen 388mal