Die innere Wendung auf den Kopf. 591
Wendung auf den Kopf nicht schwer. Bei der ersteren macht mankaum einen nennenswerth grösseren Eingriff und hat damit die voll-ständige Sicherheit, dass die einmal hergestellte Lage erhalten bleibt;bei der Wendung in eine Schädellage hat man diesen Vortheil nicht.
Diese Auseinandersetzung rechtfertigt den Grundsatz, in jedemFalle, wo man wegen irgend einer Indication die Wendung durchEingehen mit der ganzen Hand macht, nur auf einen Fuss zuwenden und nie auf den Kopf. Diese letztere Wendungs-methode ist nur da am Platz, wo man mit einem viel ge-ringeren Eingriff auskommen kann. Wir empfehlen die com-binirte oder äussere Wendung auf den Kopf, wo diesemöglich ist, widerrathen dagegen die innere Wendungauf diesen Theil.
Unter den Vorbedingungen hat namentlich die Beweglichkeitdes Kindes eine grosse Wichtigkeit. 1) Die Blase muss noch stehenoder der Blasensprung vor kurzem erfolgt sein, und 2) der Muttermundmuss sich ziemlich vollständig erweitert haben. Man braucht 3) regel-mässige Wehen, welche die hergestellte Kopflage fixiren. Dannstehen auch die eifrigsten Verth eidiger der Wendung auf den Kopf da-von ab, wenn es sich um eine rasche Beendigung der Geburt handelt,weil es bei einer Kopflage nicht sofort möglich ist zu entbinden, z. B.die Zange anzulegen, und die Schädellagen oft in recht langsamemTempo verlaufen (1. Contraindication). Eine 2. Contraindicationbildet das platte verengte Becken und eine geringe Er-öffnung des Muttermundes. Beide Momente hindern den Ein-tritt des Kopfes in den Beckeneingang, worin gerade der Erfolg derOperation zu suchen ist.
Bei der Ausführung ist der Vorschlag von Busch zu er-wähnen. Die Hand wird über dem Kopf hinauf geführt und zwarimmer die rechte Hand, wenn sich bei der Schulterlage der Kopf linksbefindet und umgekehrt. Ist dieselbe an den Kopf gelangt, so werdendie Eihäute von den Fingerspitzen eingedrückt. Die Finger umfassenden Schädel so vollständig als möglich und leiten ihn auf den Becken-eingang. Dann soll eine Wehe abgewartet und durch diese und denDruck der aussen aufgelegten Hand der Kopf auf dem Beckeneingangfixirt werden. Die Kreissende muss sich hierzu auf dem Querlagerbefinden.
Ein anderer Vorschlag, welcher zum Unterschied von der ebenbeschriebenen Methode die indirecte innere Wendung auf denKopf nach d'Outrepont genannt wird, geht dahin, mit der einge-führten Hand die Schulter zurückzudrängen und einzig von aussen herauf den Kopf einzuwirken. Nach der Uebung unserer Zeit wird dasmethodische Zusammenwirken einer äusseren und inneren Hand immermit dem Ausdruck „cornbinirt" bezeichnet, so dass auch die indirecteinnere Wendung auf den Kopf nach den Vorschlägen d'Outr epont'snichts anderes als die Ausführung der später zu erwähnenden com-binirten Wendung bei ganz eröffnetem Muttermund ist.