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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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590
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590 Die innere Wendung auf den Kopf.

Wo ein Arm angeschlungen wird, soll die Schlinge während derWendung ganz locker liegen, weil sich dieser Arm und also auch dieSchlinge zurückziehen muss. Damit die Kreissende nicht durch Zufallauf dieselbe zu liegen kommt und dadurch für das Zurückweichen derExtremität Schwierigkeiten entstehen, gelte als Regel, die ange-legte Schlinge so zu placiren, dass man dieselbe immer über-sieht, am besten über die Symphyse hinweg.

Früher war die allgemein gültige Regel, jeden vorgefallenen Arm zureponiren, ohne Unterschied der Lage. Während dies noch heute für den Arm-vorfall bei Schädellage anerkannt ist, hat man die Reposition für alle Schulter-lagen als mindestens überflüssig fallen gelassen. Verworfen wurde die Repositioneines Armes bei Schulterlagen von De la Motte, Puzos, Levret, Deleuryeund ziemlich allen nachfolgenden Autoren. Ohne zu widerlegen, erwähnen wir die Geburtshülfe" der arabischen Aerzte, dass nämlich der vorgefallene Arm ab-geschnitten wurde. Wir halten die Widerlegung so roher und widersinniger En-cheiresen für vollständig überflüssig. Nach dieser Richtung hin ist übrigens imLauf der Zeit viel gesündigt worden. War einmal das Armabschneiden gut-geheissen, so kam eine grausige Neigung über die Geburtshelfer, diesen Act nochbequemer zu machen. Man empfahl, den Arm des Kindes aus den Gelenken ab-zudrehen und herauszureissen. Dabei musste öfters die fürchterliche Erfahrunggemacht werden, dass ein derart verstümmeltes Kind noch lebend zur Welt kam.Am bekanntesten unter allen Fällen ist die Alimentenklage eines solchen Ver-stümmelten gegen den Geburtshelfer, der ihn 23 Jahre früher für todt gehaltenund ihn um seinen Arm verkürzt hatte 1 ).

Ueber das Verfahren bei Nabelschnurvorfall vergl. das betreffendeKapitel (Seite 482).

I. b) Die innere Wendung in eine Schädellage, vulgo auf den Kopf.

Wenn wir auch hier ausschliesslich eine bestimmte Methode derWendung in Schädellagen besprechen wollen, so muss dies doch eineErörterung veranlassen über Vor- und Nachtheile der Wendung aufden Kopf im allgemeinen. Die Kopflagen sind weitaus am häufigstenund für das Kind weniger gefährlich. Diese Erfahrung unterhieltlange Zeit hindurch den Irrthum, dass alle anderen als Kopflagen un-natürlich seien.

Andererseits ist der Kopf der grösste Theil des Kindes. Wenner auch durch die Wendung über den Beckeneingang gebracht werdenkann, so tritt er nicht leicht in denselben ein.

Die Fixation der Lage ist also bei der Wendung auf den Kopfviel schwerer möglich als bei Beckenendlagen und alles kommt daraufan, ob in einem gegebenen Fall diese Feststellung in dem Becken-eingang zu erwarten sei oder nicht. Die zweite Rücksicht bei der Frageder Wendung auf den Kopf betrifft die Grösse des Eingriffes. Mussman mit der ganzen Hand eingehen, um die Umdrehung des Kindeszu erzielen, so ist die Wahl zwischen Wendung auf einen Fuss und

*) Med. gerichtliches Gutachten der wissenschaftlichen Deputation von J. H.Schmidt. Berlin 1851.