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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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592
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592 -Die innere Wendung auf den Kopf.

Historische Notizen. Die Einstellung des Kopfes ist zu allen Zeiten,aus denen Schriften geburtshülflichen Inhaltes bekannt sind, ausgeführt worden.Allerdings existirten keine ausgebildeten Methoden. Es kamen die abenteuer-lichsten Mittel zur Anwendung. Wir erwähnen das Schüttelbett von Hi-ppo-krates und die Verabreichung von Niesmitteln bei späteren Geburtshelfern.Celsus übte bestimmte Methoden. Er benutzte dazu die Hand: ut infantemdirigat, vel in caput vel etiam in pedes. In der zweiten Hälfte des 16. Jahr-hunderts, nachdem 1550 Pare die Wendung auf die Füsse wieder aus dem Dunkelder Vergessenheit hervorgeholt hatte, rivalisirten die zwei Methoden um denVorzug. In Frankreich wurde die Wendung auf den Kopf nach dem entschiedenenAbrathen von Mauriceau und de la Motte von der Discussion abgesetzt undwahrscheinlich in der Praxis so gut wie gar nicht mehr geübt. Smellie, der inmehreren Richtungen für die Engländer tonangebend war, erwähnt wenigstensdiese Art der Wendung noch und übte sie wohl auch aus, obschon er später davonzurückkam.

Die Justina Siegern und (1690) empfiehlt die Wendung auf den Kopfneben derjenigen auf die Füsse und zwar mit der richtigen Einschränkung: näm-lich bei stehender Blase, nach Einleitung des Kopfes die Eihäute zu sprengen undalles nur, um schwierigeren Querlagen vorzubeugen. In dem verflossenen und inunserem Jahrhundert ist öfters die Discussion über die Wendung auf den Kopferneuert worden und haben Oslander, Flamant, Wigand u. A. viel zu derenEmpfehlung geschrieben. Doch ist sie wohl nie allgemeiner in der Praxis ausgeübtworden, und daran lag die Schuld hauptsächlich in der ungenügenden Abgrenzungdieser Methode gegen die innere Wendung auf einen Fuss. Von besonderer Be-deutung war hierin die Publication von Braxton Hicks, weil er speciell daraufhinwies, dass die combinirte Wendung schon bei einer bedeutend geringerenEröffnung des Muttermundes gemacht werden könne, als die innere Wendung.Nicht die Technik, welche Braxton Hicks brachte, war verdienstvoll, da dieseschon in allen wesentlichen und unwesentlichen Punkten vor ihm beschrieben undgemacht worden war, sondern die Verallgemeinerung der Operation. BraxtonHicks hat zwar, wie das ja gewöhnlich vonErfindern" geschieht, seine sogenanntebimanuelle Wendung über Gebühr ausgedehnt und mit derselben die innereWendung zu sehr einschränken wollen. Aber gerade dadurch wurde der Hinweisverdienstlich, weil er zeigte, dass die combinirte Wendung auch bei wenig er-öffnetem Muttermunde, wo die innere Wendung noch gar nicht möglich ist, einerschweren Complication vorbeugen kann. Gerade bei dem schleichenden Frucht-wasserabfiuss und der sehr verzögerten [Eröffnung des Cervicalkanales ist diecombinirte Wendung angezeigt.

II. Die combinirte Wendung mittels in die Gebärmutter eingeführter Finger(combinirte Digitalwendung).

Der wesentlichste Unterschied zwischen dieser und derinneren"Wendung besteht darin, dass dabei nicht mehr die ganze Handin die Gebärmutter eingeführt zu werden braucht, son-dern nur ein bis zwei Finger ausreichen. Mit diesen wird dieSchulter zurückgedrängt, dadurch und durch entsprechendes Drückender aussen auf den Bauchdecken ruhenden Hand der Kopf in denBeckeneingang gebracht. Die Wahl steht frei, ob man eine Um-drehung des Kindes in dem Sinne begünstigen will, dass der Kopfoder dass der Steiss und die Füsse in das Becken hineingeleitet werden.Man kann beides thun und entschliesst sich für das eine oder dasandere je aus Zweckmässigkeitsgründen.