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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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588
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588 Die unvollkommene Wendung.

Je grösser die Ortsveränderung bei der Umdrehung sein muss, umso eher wird dieselbe nur halb gelingen. Deswegen kommen auch dieunvollständigen Wendungen viel häufiger bei Kopf- als bei Schulter-lagen vor. Es ist recht gut möglich, dass bei einer Wendung auseiner Schädellage der Kopf auf dem Darmbein stehen bleibt, auchwenn man den Fuss heruntergeholt hat und an demselben zieht.

Neben der grösseren Fixation des Kindes durch den Uterus wirddiese mangelhafte Umdrehung desselben veranlasst durch ein unge-nügendes Zurückschieben des vorliegenden Theiles im Beginnder Wendung. Wer bei Schädellagen den Kopf nur so viel zur Seitedrängt, um mit der Hand gerade vorbeihuschen zu können, dann hastigins ungefähre vordringt und mit grösster Eile und Aufregung den erstenbesten Fuss anzieht, wird öfters solche unvollkommene Wendungen er-leben. Das Anziehen bildet in diesen Fällen gerade den Grund, dasssich der Kopf nicht aus dem grossen Becken entfernen kann.

Die Gefahr einer solchen unvollkommenen Wendung ist nichtgering. Hülfe muss gebracht werden denn sonst ist eine Aus-stossung unmöglich und doch ist stets zu bedenken, dass ein ge-waltsames Abwärtsziehen des Fusses eine ausserordentliche Querspannungdes unteren Uterinsegmentes macht, welche leicht zu einer Zerreissungdes Cervicalkanales führt. Ein Rath von hoher praktischer Bedeutungdarf hierbei nicht' unterlassen werden, dass nämlich jedesmal, wenn einGeburtshelfer eine Schwerbeweglichkeit des Kindes wahrnimmt, er vordem Eintreten in die Operation seine Hand nochmals zurückziehe undden Angehörigen die Prognose stelle, wie sie ist. Von vornherein musser betonen, dass, wenn etwas passiren sollte, dies nicht auf seine Rech-nung geschrieben werden dürfe.

Es gibt zwei Wege, um aus dieser Verlegenheit zu retten: 1) deneinen angezogenen Fuss in der Vagina anzuschlingen und mit einem an-haltenden, aber ganz massigen Zug während den folgenden Wehen-pausen die Einleitung des Steisses in den Beckeneingang zu erzielen,oder 2) den Fuss in eine Schlinge zu legen, dann mit der dem Kopfentsprechenden Hand in die Gebärmutter einzugehen, den Kopf empor-zuheben und nun, nachdem derselbe etwas vom Hüftbeinkamm weg-gedrängt ist, mit der anderen Hand an der Schlinge anzuziehen.

Man nennt diese Manipulation nach der, die ihn zuerst geübt undbeschrieben hatte, den doppelten Handgriff der Siegemundin.Wo nur ein Fuss herabgestreckt ist, derselbe aber mit der grossenZehe gegen die Symphyse sieht, wo also aus dieser Stellung zuschliessen ist, dass der andere Fuss das Hinderniss abgibt, da wirdebenfalls der eine Fuss angeschlungen und der andere her abgeholt.Um leichter zum zweiten Fuss zu gelangen, darf während des Ein-gehens der entsprechenden Hand die Schlinge nicht angezogen werden.Dagegen ist bei all diesen schwierigen Manipulationen das Gegen-drücken der äusseren Hand unerlässlich. Man beachte wohl, denFuss nach seinen Gelenken zu beugen, damit er nicht luxirtoder gebrochen werde.