Die Wendung bei stehender Blase. 587
für die Umdrehung des Kindes, so dass es sich schon verlohnt, denvollständigen Fruchtwasserabfluss möglichst zu vermeiden.
Das Sprengen der Eihäute ist in ziemlich vielen Fällen mit denFingernägeln gar nicht auszuführen oder hält unnöthiger Weise auf.Sicher springt die Blase immer, wenn man einen kleinenKindestheil umfasst und mit den Fingerspitzen die Ei-häute eindrückt. Fritsch spricht sich für die Trennung der Ei-häute im Muttermund aus, und zwar weil dann die ganze Operationinnerhalb der Eiblase vorzunehmen und damit die Möglichkeit einerInfection vermindert sei. Wer mit seinen Händen inficiren kann, hatvor und bei dem Blasensprengen Gelegenheit genug, der Gesundheitder Kreissenden gefährlich zu werden; wir möchten also auf diese Be-gründung kein grosses Gewicht legen, um so weniger, als wir auf dievorangegangene Desinfection der Hände und der nachfolgenden Aus-spülung des Uterus ein viel grösseres Vertrauen setzen.
Geht man zwischen Eihäuten und Gebärmutterwand ein, so kannman auf die Placenta stossen und durch ihre Lösung eine Blutungveranlassen.
Wo eine solche eintritt, soll immer die Hand zurück-gezogen und in einer anderen Richtung wieder eingeführtwerden.
Ueberall ist die Wendung eine sehr leichte Operation, wo mandie Ausführung bei noch stehender Blase oder bald nach dem Blasen-sprung beginnen kann.
Das Sprengen der Eihäute hoch oben im Uterus ist auf Smellie zurück-zuführen und weiter empfohlen worden von Deleurye, Boer u. A.
Auch nur historisches Interesse hat ein Vorschlag von Hüter 1 ), die Wen-dung in den unversehrten Eihäuten zu machen. Ohne irgend einen Vortheil zuerzielen, riskirt man auf diese Weise eher, die Placenta zu treffen.
Die unvollkommene Wendung.
Was wir hiermit meinen, ist leicht zu defimren. In allen Fällen,wo der gefasste Fuss nicht bis zum Knie aus den äusserenGenitalien hervorgezogen werden, also auch der Steiss desKindes nicht vollständig in den Beckeneingang eintretenkann, ist die Wendung nicht vollendet. Bei dieser Sachlagedarf es der Geburtshelfer nicht bewenden lassen. Die Wendung selbsthat den Endzweck, eine Längslage herzustellen. Eine solche ist abernicht vorhanden, wenn nur der Fuss bis zur Vulva herunterge-zogen wird.
Das unvollkommene Gelingen der Umdrehung hat meistens seinenGrund in einer zu geringen Beweglichkeit des Kindes nach einem langevorher erfolgten Blasensprung.
») N. Z. f. G. Bd. XIV. p. 1 u. Bd. XXI. p. 32. 18.