Zugriclitung am gefassten Fuss. 585
den oberen, so kommt der ausgestreckte Fuss an der Symphyse her-unter und ein Anstemmen ist unmöglich gemacht.
Schon früher hatten Hohl, Jörg und Simpson dieses Verfahrenempfohlen, in neuerer Zeit ist es besonders von Gusserow und Kri-steller begründet worden. Wie dieser ganz richtig ausführte '), zieht manunwillkürlich bei der Wendung den gefassten Fuss geraden Weges aufden Muttermund und mehr nach vorn. Nur dadurch, dass der Rückendes Kindes an der hinteren Uteruswand und über das Promontoriumherabgleitet, wird ein Anstemmen an der Symphyse verhindert. Dassauf diese Weise die Wendung in den Fällen von dorso-posteriorenLagen zu Stande kommt, wenn sie ohne Schwierigkeiten gelingt, legendie Fälle nahe, welche Fritsch 2 ) zusammenstellte.
Diese Erklärung ergibt sich sofort aus dem einen Satze: „DieRichtung des intrauterinen Zuges an den Beinen wird nie nach vorn,sondern nach hinten gerichtet sein." Darin steht aber Fritsch inWiderspruch mit allen Autoren, welche angeben, dass der Zug an demgefassten Fusse meist unwillkürlich in gerader Linie gegen die Vulva,also nach vorn gegen die Symphyse gerichtet ist. In allen Fällen vondorso-posterioren Lagen, gleichviel, ob Fritsch den oberen oder denunteren Fuss gefasst hatte, war unmittelbar nach der Wendung derRücken des Kindes hinten. Als ein weiterer Grund gegen die Lehre,den oberen Fuss anzuziehen, ist von mehreren Autoren das Kreuzender beidenExtremitäten angegeben worden. Von vornherein sollteman denken, dass dieser Uebelstand durch das Mitfassen des zweitenFusses leicht zu heben sei und deswegen nie die Wendung unausführ-bar werde, wie einzelne angeben.
Die neueren deutschen Autoren geben den Rath, bei dorso-poste-rioren Querlagen den unteren Fuss anzuziehen, und wir möchten dazunoch hinzufügen, denselben möglichst hinten am Promontoriumund über die Symphysis sacro-iliaca hinunter zu führen, den-selben also nicht direct in gerader Linie auf den Scheiden-eingang hinzuziehen.
Alle Geburtshelfer müssen zugeben, dass in der Ausübung derWendung oft gar keine Wahl übrig bleibt, schulgerecht den einen oderden anderen Fuss zu fassen, weil man nach dem Abfluss des Frucht-wassers häufig froh sein muss, überhaupt eine Extremität erreichen zukönnen.
Am Knie lässt sich durch Einhaken mit dem Finger die Wen-dung recht leicht machen. Ist es gelungen, die Umdrehung zu er-zielen, so ist der Fuss mit Leichtigkeit über dem Muttermund auszu-strecken. Bekommt man aber den Fuss eher als das Knie in die Hand,so wäre es ein unnützer Zeitverlust, die Wendung auf das Knie machenzu wollen.
Nur noch historisches Interesse hat die Methode von Deutsch
!) M. f. G. Bd. XXXI. p. 27 u. ff.2 ) A. f. ß. Bd. IV. p. 491. 1872.