582 Di e Wahl der operirenden Hand.
rend wir nach der Sachlage durch sofortige Extraction das Kindverloren hätten.
In der geburtshülflichen Klinik haben wir oft solche Fälle demon-striren können, wo die Herztöne, welche unmittelbar nach der Wen-dung sehr schwach und langsam waren, sich nach einiger Zeit erholten.
Da es nicht gleichgültig sein kann, ob man ein lebensfrischesoder tief dyspnoeisches Kind den Gefahren der- Extraction aussetze, dawir dies für doppelt ungerechtfertigt halten, wenn nicht einmal derMuttermund ganz eröffnet ist und deswegen die Gefahren noch grösserwerden, so müssten wir eine generelle Wiederempfehlung der sofor-tigen Extraction, also auch bei uneröffnetem Muttermund,als einen Rückschritt bezeichnen. Bei vollständig eröffnetemMuttermund treten diese Bedenken in den Hintergrund; dabeisind auch die Bedingungen für die Extraction vollständig erfüllt, wennje der Zustand des Kindes dieselbe wünschenswert!! macht.
Die Wahl der operirenden Hand.
Wir haben schon gesagt, dass bei der Seitenlagerung der Kreis-senden die Wahl der Hand gegeben ist. In der rechten Seitenlagemuss die Frau auf den linken Bettrand gelegt werden. Wenn derOperateur sich an den Rücken derselben stellt, ist nur die linke Handeinzuführen und mutatis mutandis bei der linken Lage. Dagegen istnatürlich gerade die entgegengesetzte Hand zu nehmen, wenn die Ope-ration von vorn gemacht werden soll.
Die einzelnen Vorschläge für Ausführung der Wendung lautenzum Theil sehr widersprechend. Aber bestimmte Principien geltenschliesslich bei allen, wenn sie auch öfters mehr „aus praktischem Ge-fühl", denn aus intellectueller Absicht zum Vorschlag gekommen sind.
Zunächst wollen alle Operateure die Hand so einbringen, dassdie Tastfläche gegen das Kind, der Handrücken gegen dieUteruswand gerichtet sei. Es handelt sich darum, der Nabelschnurund der Placenta aus dem Wege zu gehen und die Gebärmutterwaridgegen die Läsionen von Seiten der Finger zu bewahren.
Bei stehendem Fruchtwasser ist dies leicht zu verhüten; nach demAbfluss desselben soll die Hand jede unnöthige Bewegung vermeiden,also auch mit ausgestreckten, an den Fötus angeschmiegtenFingern vorwärts geschoben werden. Der hauptsächliche Zweckdieser Vorsicht ist, die Nabelschnur zu vermeiden, also über keineSchlinge derselben hinweg zu greifen. Sonst kommt diese Schlinge zwi-schen dem heruntergestreckten und hinaufgeschlagenen Fuss zu liegenund wird bei dem Anziehen des Fusses hervorgezogen und angespannt.Der gewöhnliche Ausdruck hierfür lautet: das Kind reitet auf der Nabel-schnur. Es ist begreiflich, dass dieser Zustand dem Kind das Lebenkostet, wenn ihn der Arzt nicht bald entdeckt, die Schlinge lockertund über einen Fuss zurückstreifen kann.