570 Die Wendung.
Wien. med. Wochenschr. 1877. Nr. 9, empfiehlt bei der Wendung auf den Kopfnach Herstellung der Geradlage diesen mit den Händen zu fixiren, bis Wehenkommen. — Winter: Z. f. G. u. G. Bd. XII. p. 153.
Zur Orientirung.
Wenn für gewöhnlich von einer Wendung gesprochen wird, ver-stehen die Aerzte diejenige Operation, bei welcher aus irgend einerKindeslage durch Eingehen mit der ganzen Hand, durch Erfassen undAnziehen eines Fusses eine vollständige Umdrehung des Kindes undschliesslich eine unvollkommene Fusslage hergestellt wird.
Dabei sind zwei Voraussetzungen gemacht. Zunächst ist eineEröffnung des Muttermundes angenommen, welche die Handdurchgehen lässt, und zweitens eine solche Beweglichkeit desKindes, dass ein Lagewechsel noch möglich ist.
Die so skizzirte Operation ist nur eine bestimmte Art der Wen-dung. Gerade dieses Verfahren wird aber unter den Geburtshelfernausschliesslich mit der einfachen Benennung „Wendung" belegt, weildiese Methode weitaus am häufigsten gemacht wird.
Zur Definition des Begriffes „Wendung" ist es unerlässlich, dassdie schliesslich hergestellte Kindeslage eine normale sei, in welcher dasKind geboren werden kann. Diese Voraussetzung ist bei verschiedenenKopf- und bei allen Beckenendlagen gegeben. Dem entsprechend kannman auch von Wendungen auf den Kopf, oder richtiger auf denSchädel, den Steiss, den einen oder die beiden Füsse spre-chen. Eine passendere, jedenfalls eine genauere Benennung ist „Wen-dung in Schädellage, W. in Steisslage" u. s. w.
Ferner unterscheiden sich die verschiedenen Arten der Wendung,je nachdem man mit der ganzen Hand in die Gebärmutterhöhle ein-geht — die innere Wendung — oder mit der Hand in die Vaginaund nur mit einem oder zwei Fingern in die Gebärmutterhöhle — com-binirte Wendung — oder endlich sie durch alleinige Manipulationder beiden Hände am Abdomen macht, was man äussere Wendungnennt. Diejenige Operation, welche für gewöhnlich schlechtwegWendung genannt wird, wäre nach diesen verschiedenen Einthei-lungen genauer bezeichnet: die innere Wendung auf einenFuss oder in unvollkommene Fusslage.
Historische Notizen. In den Zeiten des Hippokrates galt jedeandere als eine Kopflage für abnorm und nur von der Wendung auf den Kopfist in dessen Schriften die Rede. Der vorgefallene Arm wird wieder zurück-gebracht. Aber der Vorfall des Fusses wird ganz gleichgestellt und schon damitdie vollständigste Unkenntniss von der Bedeutung der Schulterlage an den Taggelegt 1 ), trotzdem das Eingehen mit der Hand in den Uterus vorgeschlagen undgeübt wurde. Es erhellt dies aus der Beschreibung der „Embryotomia". Von einerWendung auf die Eiisse bestand keine Kenntniss. Da es immer ein grosses Interessehat, die Anschauungen aus der Kindheit unserer Wissenschaft zu kennen, gebe ichdie betreffende Stelle wieder und entnehme sie der Editio Foesii in lateinischer
a ) Hippocratis Opera. Edit. Kühn, T. I. p. 461.