566 Die Indioationen
folgerungen erfahren hatte. Ein Nutzen der Operation ist nur für dieMütter zu erzielen, die Erhaltung des kindlichen Lehens ist mindestenszweifelhaft. Die Operation ist dementsprechend nur bei Becken-enge II. und III. Grades indicirt, wobei auch die Resultate für dieKinder im Vergleich zum spontanen Verlauf wieder besser werden.Beim I. Grad von Beckenenge ist nur unter besonderen Verhältnissenan die Einleitung der Frühgeburt zu denken. Ausnahmsweise ist esauch bei Erstgebärenden gerechtfertigt, die Frühgeburt einzuleiten.Ueber die Gradeintheilung der engen Becken vergl. das Kapitel Becken-lehre p. 418.
Was der künstlichen Frühgeburt hauptsächlich Abbruch thut, istder Kaiserschnitt mit Uterusnaht. Weil sich dabei die Mortalität derMütter, selbst alle Erstlingsoperationen eingerechnet, bei bedingter In-dication nur auf 9—10 °/o stellt und die Statistik mehrerer Operateure0 °/o beträgt,' ist solchen Müttern, denen ein lebendes Kind zu erlangenHerzenssache und Lebensziel ist, ein sicherer Weg offen.
Nun wird es Einzelne geben, die aus unbesieglicher Angst die Zu-stimmung zum Kaiserschnitt bezw. den Verzicht auf die Frühgeburtnicht zu geben vermögen. Es hängt in solchen Fällen geradezu vondem Auftreten und Vertrauen des Arztes ab.
Endlich wird es auch solche Frauen geben, denen mit der Er-haltung des Kindes gar nicht gedient ist. Jeder Arzt muss mit seinemGewissen Rath halten, wie er sich solchen Personen gegenüber stellen' will. Wenn man auch bei engem Becken zur Einleitung der Früh-geburt berechtigt ist, so verliert doch da die Thätigkeit des Arztesjeden idealen Werth, wo eine Frau nur den Zweck verfolgt, einer un-willkommenen Bürde ledig zu werden.
Da's habituelle Absterben der Fötus während mehrerer auf-einanderfolgender Schwangerschaften hat meistens seine Ursache in ver-alteter Lues. Wenn es auch ganz selten vorkommen mag, dass andereVerhältnisse zu Grunde liegen, so sind hiebei die Ursachen des Frucht-todes so dunkel, dass die künstliche Frühgeburt mindestens ein höchstunsicheres Mittel wäre. Es bleibt ja dabei fraglich, ob das Kind derTodesursache durch die Frühgeburt entgehen könnte, oder ob es nichtden Keim des Todes unverändert in das extrauterine Leben hinübernehmen würde.
Richtiger ' als die Einleitung der künstlichen Frühgeburt ist beiallen Fällen von habituellem Absterben der Früchte die Anwendungeiner recht energischen antisyphilitischen Kur an beiden Eltern, und wodies nicht wirkt, die Abrasio mucosae ausserhalb der Schwangerschaft.
Diejenigen Gefahren und Erkrankungen der Mutter,welche voraussichtlich durch die Geburt verschwinden, geben natürlicheine Indication zur künstlichen Frühgeburt ab. Erst müssten jedochdie in Frage kommenden Verhältnisse wirklich gefahrbringend sein,weil der Arzt immer bedenken muss, dass mit grosser Wahrscheinlich-keit das kindliche Leben geopfert wird. Diese Indicationen sind wäh-rend der Schwangerschaft recht selten so dringend. Wir nennen von