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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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565
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Die Einwendungen gegen die künstliche Frühgeburt. 565

4) dass höchst wahi'scheinlich die Operation Veranlassung zu falschen Kindes-lagen und deswegen zu manchen nachtheiligen Folgen gebe.

Diese Gründe genügten lange Zeit, um die Einleitung der künstlichen Früh-geburt aus, Frankreich zu verbannen. Erst S t o 11 z ') konnte durch gelungeneBeispiele zeigen, dass man durch die künstliche Frühgeburt unter gewissen Ver-hältnissen, wie bei engem Becken, noch Kinder am Leben erhalten könne, wobeim Unterlassen dieser Operation dieselben sicher verloren gingen.

Seit dieser Zeit haben auch die französischen Aerzte ihre Bedenken gegendie Frühgeburt fallen lassen.

Dass die Bedenken Baudelocque's gegen die künstliche Früh-geburt entkräftet wurden, ist schon erwähnt. Der von Stoltz geführteGegenbeweis war ja die Brücke, über welche diese Operation in Frank-reich einzog. Baudelocque's Bedenken waren jedoch nicht aus derLuft gegriffen das beweisen schon die vielen todten Kinder, welcheselbst das beste Ergebniss der oben erwähnten Methoden aufzuzählenhat. Und. bei jenen sind absichtlich alle Kinder ausser Rechnung ge-lassen, die zwar noch lebend erschienen, aber in den ersten Tagenschon ihr Ende erreichten.

Das enge Becken gibt uns, wenn auch nicht allein, doch immer-hin am meisten die Indication für die künstliche Frühgeburt ab. Undgerade hiebei ist ein Vergleich möglich zwischen dem Ergebniss beider Frühgeburt und demjenigen rechtzeitiger Geburten.

Von vornherein ist es klar, dass die frühgeborenen Kinder vielweniger lebensfähig sind und sowohl dem Geburtstrauma, als den Ein-flüssen des extrauterinen Lebens eher erliegen. Ebenso sollte a prioriangenommen werden können, dass wenigstens die Mütter durch dieOperation besser wegkommen als bei rechtzeitigen Geburten. NurZahlen können aber entscheiden, und der dankenswerthen Aufgabe,einen solchen Vergleich aufzustellen, hat sich Spiegelberg 2 ) unter-zogen. Das Resultat ist den theoretischen Voraussetzungen keines-wegs entsprechend gewesen. Von den Müttern starben bei künstlicherFrühgeburt 23mal mehr als bei spontanem Verlauf. Von den Kin-dern verliessen nur 33 °/o lebend die Anstalt, während bei den spontanoder doch am Ende der Gravidität entwickelten Kindern nicht einmalx /3 starb. Desswegen verwarf Spiegelberg die Einleitung der Früh-geburt bei engen Becken mit einer Conj. vera von mehr als 8 cm.Selbst bei einer Conj. vera unter 8 cm erklärte er sich für Einschrän-kung der Operation auf diejenigen Fälle, in denen nach dem Ergebnissfrüherer Geburten grosse Kinder mit harten Schädeln und ungünstigerEinstellung zu erwarten seien.

Litzmann, der dieselbe Aufgabe prüfte, nämlich die Werth-bestimnmng der künstlichen Frühgeburt, verminderte einigermassen diebedeutende Einschränkung, welche sie durch Spiegelberg's Schluss-

,') Memoire et observations sur la provocation de l'accouchement prämaturedans le cas de retrecissement du bassin. Arch. medicales de Strasbourg. T. I.1835, p. 18 seq_. u. p. 243 seq.; T. II. 1836. p. 81 seq.

2 ) Vergl. Arch. f. Gyn. Bd. I. 1 seq.