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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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563
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Die Einleitung der Frühgeburt mit Arzneimitteln. 563

geburt. Ganz gleichlautende Angaben, dass es gelegentlich die Wehenthätigkeitanrege, meistens aber gar nicht wirke, melden auch alle anderen Autoren ').

Von den Summitates Sabinae ist gar keine Wirkung bekannt, obschon siedas Volk zu den Abortivmitteln rechnet.

Nach den gegebenen Thatsachen lässt sich annähernd ein Urtheilüber den Werth der einzelnen Methoden fällen. Wie dieses Urtheil ge-meint sei, ist in den einleitenden Worten des Kapitels angedeutet. DieKindermortalität gibt zur Beurtheilung den besten Anhaltepunkt, denndie Lebensgefahr der Mutter besteht meistens in der septischen An-steckung und diese ist schliesslich bei allen Methoden möglich und lässtsich mit Wahrscheinlichkeit durch die genaue Desinfection bei allenvermeiden. Von der Methode selbst ist aber die Kindersterblichkeitvielfach abhängig. Doch kommt hiebei noch in Frage, in welcher Zeitdie Frühgeburten eingeleitet wurden, ob das Becken weiter oder engerund ob das Kind nicht abgestorben war. Zusammenstellungen, welcheauf die hier genannten Complicationen Rücksicht nahmen, bestehenjedoch nicht. Was ich oben von der Nothwendigkeit gesagt habe, dassman für einen endgültigen Entscheid grosse Zahlen sammeln müsse,wo diese Complicationen in entsprechender Häufigkeit sich wiederholen,ohne die Richtigkeit des Vergleiches zu stören, ist damit erwiesen.Wegfallen muss zunächst eine Methode, welche eine so erhebliche Ge-fahr für die Mutter bedingt wie die Cohen'sche. Mag auch in einergrösseren Anzahl Cohen'scher Fälle der Lufteintritt allein an denstürmischen Erscheinungen schuld gewesen sein, so deuten neuere Er-fahrungen darauf hin, dass auch ein Flüssigkeitseintritt gefährlich wer-den könne.

Wegen zu geringer Verlässlichkeit können nicht empfohlen wer-den: die Tamponade der Scheide, die reflectorische Reizung an denBrustwarzen, Electricität und Seeale cornutum. Dagegen gibt es Fälle,wo Quellmittel ganz am Platze sind. Nur müssen Schwämme weg-gelassen werden, wegen unnöthiger Vermehrung der Gefahr.

Als das richtigste würden wir empfehlen, die Frühgeburt, wonicht die höchste Eile nothwendig ist, mit der Kiwisch'schen Uterus-douche zu eröffnen und, wenn dieselbe nicht bald eine richtige, aus-reichende Wehenthätigkeit anregt, zur Krause'schen Methode oderdem Einlegen von Blasen überzugehen. Bleiben auch bei späteren Zu-sammenstellungen die Resultate des Eihautstiches so günstig, wie in derWiener Klinik von Prof. Carl v. Braun, so wird derselbe in Zukunftalle anderen Verfahren aus dem Felde schlagen.

Vorbedingungen der künstlichen Frühgeburt und ihre Ziele.

Literatur.

Krause, A.: Die künstliche Frühgeburt. Mit 2 Tafeln. Breslau 1855.Döbner: 16 Fälle von künstlich eingeleiteter Frühgeburt. Würzburger med.

Vergl. darüber die Ref. im Centralbl. f. Gyn. 1879 u. 1880.