562 Die Einleitung der Frühgeburt mit Arzneimitteln.
Die übrigen Methoden.
Die Kohlensäureciouche, der Reflexreiz durch Saugen an den Brustwarzenund die Anwendung der Inductionselektricität (Schreiber, Hennig, Bröhl 1 )haben ein hohes wissenschaftliches Interesse, indem z. B. die Reizung der Brust-drüse ganz deutlich einen Zusammenhang zeigt mit den inneren Genitalien durchdie Vermittlung des Nervensystems — aber practisch sind sie für die Einleitungder künstlichen Frühgeburt ganz werthlos, weil sie viel zu unsicher wirken, zucomplicirt und den Schwangeren, wie z. B. die Reizung der Brustdrüsen, zu un-angenehm sind.
Von den chemischen Reizen ist bisher zur Erfindung einer Methode nichtsbenützt worden, denn die Arzneimittel gehören nicht hieb er. Wir halten abereinen solchen Versuch, wenigstens des practischen Bedürfnisses wegen, für voll-kommen überflüssig.
Es erübrigt noch auf den Werth der Arzneimittel einzugehen.
Das Seeale cornutum ist von allen das älteste oder, nochrichtiger gesagt, das einzige, welches zur künstlichen Frühgeburt ver-wendet wurde. Der erste Vorschlag dafür ist zurückzuführen aufBongiovanni 2 ); aber die wirkliche Bestätigung, dass mit dem Seealecornutum die Frühgeburt überhaupt zu erzielen sei, hat Ramsbothamgeliefert. Die Verschreibung war:
Infus. Seealis cornuti (12,0) 225,0Acid. sulph. dilut. 2,0Syr. et Tinct. Cinnamom. 8,0Alle 4 Stunden 2 Esslöffel voll.
Von 45 Versuchen glückten 32, waren unzureichend 13 und ganzerfolglos 3. Unter den ersten ist lOmal die Zeit der Geburt angegebenund schwankt zwischen 13 V« Stunden bis 6 Tagen. Von 89 Kindernkamen 15 todt, d. i. 38°/o. Nur 12 Kinder überlebten die ersten36 Stunden post part.
Nach diesen Erfahrungen wird sich niemals dem Mutterkorn einewehenerregende Wirksamkeit absprechen lassen und ist die zuerst vond'Outrepont ausgesprochene Ansicht, dass Seeale hauptsächlich nurbereits begonnene Wehen verstärke, aber keine Wehen erzeugen könne,entschieden widerlegt. Zur künstlichen Frühgeburt ist aber dieses Mitteluntauglich, weil die Resultate für die Kinder zu ungünstig sind.
DasPilocarpinum muriat. machte zu 0,02 g subcutan in 2 Fällen, dieMassmann 3 ) behandelt hatte, in kurzer Frist eine Frühgeburt.
Schauta 4 ) beobachtete noch einen guten Erfolg, Welponer 5 ) dagegenkonnte keine Wirkung des Pilocarpins bemerken und in der jüngsten Zeit hatFelsenreich 6 ) in der geburtshülfl. Klinik von G. Braun dieses Mittel zurkünstlichen Frühgeburt anwenden wollen, aber ohne jeden Erfolg.
Auch Sänger 7 ) fand meistens gar keine Wirkung bei Einleitung der Früh-
') A. f. G. Bd. 30. p. 57.
-) Vergl. Kilian, Oper. I. 1. p. 297. Vergl. Harting, 1. c. p. 94.3 ) Pilocarpin als wehenerregendes Mittel. Centralbl. f. Gynäk. II. 1878.Nr. 9. p. 193.
4 ), 6 ) u. 6 ) Centralbl. f. Gyn. 1878.7 ) Arch. f. Gyn. Bd. XIV.