Methode mit dem Pressschwamm. 559
hautstich schlechtere Ergebnisse in Beziehung auf die Kindersterblichkeit bedinge,nicht zu verwerthen; denn bei den Operationen der älteren Zeit gingen viele Ge-burtshelfer darauf aus, das Fruchtwasser so rasch als möglich abzulassen. Dassdies eine viel grössere Gefahr für die Kinder schafft, liegt auf der Hand. Mankann darum nur mit der grössten Reserve die Kindersterblichkeit älterer Zusammen-stellungen zur Berechnung benützen ') und die neueren Publicationen speciell vonRokitansky geben für ein Verfahren mit langsamem Abfliessen des Frucht'wassers viel bessere Resultate.
Noch ist ein Uebelstand zu berücksichtigen, der fast in Vergessenheit ge-rathen scheint, dass mehrere Schwangere bald nach erfolgtem Fruchtwasserabflussvon einem heftigen Schüttelfrost befallen wurden 2 ). In- der erwähnten Zusammen-stellung kam derselbe bei jeder 13. Geburt vor.
Sicher ist der Eihautstich im Muttermund schon lange vor S c h e e l's Em-pfehlung angewendet worden. Macaulay soll 1756 die erste planmässig voll-zogene Frühgeburt damit eingeleitet haben. Die Ausübung desselben in ver-brecherischer Absicht ist zu allen Zeiten vorgekommen, und kommen Belege hiefürselbst aus dem classischen Alterthum vor.
Aber auch von Geburtshelfern wurde der Eihautstich schon vor Jahrhundertenzur Stillung von Gebärmutterblutungen empfohlen und ausgeführt.
II. Die Erweiterung der Cervix mit Quellmitteln.
Methode von Brünninghausen 3 )-Kluge.
Als Vorbereitung zu einer anderen Methode kann sie mitLaminaria-oder Tupelostiften noch gelegentlich nothwendig sein. Der Press-schwamm aber darf der grossen Infectionsgefahr wegen nicht mehr ver-wendet werden.
Wenn auch in der letzten Zeit Neuerungen mit Pressschwämmengemacht wurden, dieselben z. B. vor dem Einlegen in den Cervical-kanal mit Kautschukhäutchen überzogen wurden, so sind sie doch einzu gefährliches Material, um für regelmässige Anwendung Empfehluugzu verdienen. Wir haben in der letzten Zeit die Pressschwämme da-durch aseptisch gemacht, dass wir sie Stunden lang einer Temperaturvon 160° C. im Sterilisationsschrank aussetzten, aber sie schienen nichtebenso stark aufzuquellen wie früher. Selbst nach längerem Liegenblieben sie geruchlos. Doch verlohnen sich Versuche mit Pressschwämmendeswegen weniger, weil Laminaria- und T.upelostifte zu dem gegebenenZwecke vollkommen ausreichen und andererseits viel gründlicher des-inficirt werden können. Wir legen hier seit Jahren die Laminariastiftedauernd in eine gesättigte Alkohol-Salicylsäurelösung ein.
Die Ausführung hat zu geschehen wie in gynäkologischen Fällen;am besten unter Führung einer langen Polypenzange bis in den äusserenMuttermund und dann mit Hülfe der Finger durch den Cervicalkanal.Aus natürlichen Gründen dürfen die Stifte für diesen Zweck nicht zulang sein (nur ca. 4—5 cm).
1 ) Eine Zusammenstellung von Hoffmann, Neue Zeitschr. f. Geb. Bd. 23,hatte als Ergebniss 69 todte Kinder unter 182 Geburten, also 38 °/o.
2 ) Cf. Harting, 1. c. p. 134.
3 ) Dessen Originalbriefe vom 19. März 1820. Neue Zeitschr. f. Geb. Bd. III.p. 326. Dirner, C. f. G. 1887. p. 81.