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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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558
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558 Methode des Eihautstiches.

.abgang Wehen machen müsse, ergibt sich aus der Volumsverkleinerung

der Gebärmutter und aus der Folge dieser, nämlich der vielfachen

Faltung und Verschiebung der Eihäute.

Die Wehen treten nach dem Blasensprung gewöhnlich in 12,20, 2448 Stunden auf, gelegentlich schon in 2 Stunden, in rechtseltenen Fällen aber auch erst nach Ablauf einiger Tage. Die Geburtverläuft im allgemeinen rasch, wenn einmal die Contractionen des Uterusbegonnen haben.

Bei dem Eihautstich im Muttermund (Scheel 1 ) kann sich nie-mals Vorwasser bilden, niemals die Blase spannen. Dies ist schon vorlanger Zeit als ein entschiedener Nachtheil empfunden worden, undum die Bildung von Vorwasser nicht zu vereiteln, haben Hopkinsund Meissner die Blase über dem Muttermund gesprengt. Auchdiese Modification kann sich auf Erfahrungen der geburtshülflichenPraxis stützen, indem man gar nicht selten beobachtet, dass im Beginnder Entbindung das Fruchtwasserschleichend" abgeht und sich nach-her, wenn der Kopf tiefer in das Becken eintritt und den unteren Theildes Eies absperrt, doch noch die Blase spannt. Allgemein wird diesso erklärt, dass der Riss der Eihäute höher oben stattgefunden habe.

Es würde das Hopkins-Meissner'sche Verfahren den einzigenEinwand, den man gegen die Methode des Eihautstiches überhaupt machenkann, beseitigen. Aber ausser von Meissner, der seine Modificationdes Eihautstiches bei 8 Schwangeren angewendet hat, sind keine Fällemehr bekannt geworden. Die Durchstechung der Eihäute ge-schah mit einem längeren Draht, der in einer Röhre gedeckt zwischenEihäuten und Uteruswand hinaufgeführt und 5 Zoll über dem innerenMuttermund in die Eiblase eingestochen wurde. Es fioss ca. 1 Löffelvoll Fruchtwasser gleich ab, das Träufeln sistirte bis zur folgendenNacht. Die Blase stellte sich nur unvollkommen zur Geburt, bot aberalle Vortheile der vollen Blase dar.

Zur Ausführung des Eihautstiches im Muttermundreicht eine Stricknadel aus, wenn man für den Augenblick des Ein-stechens eine leichte Zusammenziehung durch Reiben des Fundus uterianregt. Rokitansky empfiehlt einen scharf zugespitzten Federkiel.

Wir haben schon angedeutet, dass der Mangel des Vorwassers während derEröffnungsperiode so lebhaft empfunden wurde, dass man andere Methoden ver-suchte. Als Folge des frühen Blasensprunges wurde angegeben, dass die Eröff-nungsperiode ungewöhnlich langsam und schmerzhaft verlief, dass die Mütter oftheftige und anhaltende Geburtswehen bekamen, und endlich, dass sich die Zahlder todtgeborenen Kinder den anderen Methoden gegenüber als unverhältnissmässiggross herausstellte 2 ).

Die alten Fälle sind jedoch für eine massgebende Entscheidung, ob der Ei-

') 1. c. p. 74. Sectione caesarea vel dissectione foetus maturi, partu instanteob pelvis angustiam necessaria, matre autem ob debilitatem vel cachexiam neu-tram operationem admittente, abortus, liquoris arnnii detractione tem-pestive excitatus, forte salutifer.

2 ) Neue Zeitschrift für Geb. Bd. 23.