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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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560
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560 Kiwisch'sche Methode.

III. 1) Die aufsteigende Uterusdouclie.

Methode von Kiwis eh.

Schon von älteren Zeiten her war die Wirkung der Douche aufden Uterus in den Badeorten z. B. in Ems bekannt gewesen, wo ihreAnwendung oft unerwarteter Weise den Abortus herbeiführte. Auf eineebensolche unbeabsichtigte Erfahrung hin versuchte Kiwisch die künst-liche Frühgeburt methodisch einzuleiten und diese Versuche gelangen.

Der Apparat, mit welchem Kiwisch zu operiren empfahl, ist einegewöhnliche Uterindouche oder wie wir jetzt zu sagen pflegen, eine Spül-kanne, deren 2 X J2 m langes Abflussrohr in einer Mutterröhre endet. Zubequemerem Gebrauche war in den Schlauch ein Hahn eingesetzt, derIrrigator wurde mit Wasser von 34 ° R. 42,5 ° C. gefüllt und 2 bis3mal täglich 1215 Minuten lang das warme Wasser durchgeleitet.Ganz richtig hat schon Kiwisch für das eigentlich wirksame denhohen Temperaturgrad des Wassers angenommen und um es hierinrecht zu machen, ist die Messung mit einem Thermometer unerlässlich.

Obsohon H artin g dem Verfahren, das in den damals bekannten 11 Fällendurchweg einen für Mutter und Kind günstigen Verlauf genommen hatte, alleGerechtigkeit widerfahren Hess, erklärte er sich aus practisehen Gesichtspunktendagegen. Er beanstandete aber nur rein äusserliche Dinge: die Grösse und Un-bequemlichkeit des Apparates, die Kostspieligkeit und 2*/a m grosse Fallhöhe, wo-für die wenigsten Privaträume hoch genug wären. Diese Einwendungen sind voll-kommen hinfällig.

Was also die Ausführung betrifft, so wäre die Methode als sehrgünstig und vortheilhaft zu bezeichnen. Aber in der Wirkung Hess sieoft im Stich und darin blieben die sanguinischen Hoffnungen, welcheanfangs auf den Werth der Uterusdouche gesetzt wurden, unerfüllt.

In der Zusammenstellung von German's eigenen Fällen hat die Kiwisch'scheUterusdouche bei lOmaliger Anwendung nur 2mal Erfolg gehabt und den 40 Fällenanderer Autoren, welche damit die künstliche Frühgeburt eingeleitet hatten, stehen15 gegenüber, wo das Verfahren auch bei längerer Anwendung erfolglos blieb.

Bei der Mehrzahl dieser Operationen ist wahrscheinlich auf die gehörigeTemperatur des Wassers nicht geachtet worden. Für 2 Fälle sind jedoch auchdarüber bestimmte Angaben gemacht,' z. B. Uterusdouche mit Wasser von 35 ° R.8 Tage lang und dennoch war keine Wehenthätigkeit zu erzielen. Die Dauer derGeburt, welche 24mal verzeichnet steht, betrug zwischen 6 und 504 Stunden(21 Tage!), im Mittel 135 Stunden oder 5 Tage und 15 Stunden.

Diese Angaben lauten so sehr zu Ungunsten der Methode, dasswir auch an andere Stimmen erinnern müssen. Wenn auch langsam,sagt Spiegelberg, so wirke doch die Methode sicher und hätte ihnin 12 auf einander folgenden Fällen nie im Stich gelassen. Zum gutenErfolg sei es aber nöthig, gehörig warmes Wasser, eine weite Röhremit nur einer Oeffnung zu verwenden und die Eingiessungen entsprechendhäufig zu erneuern.

Wir haben die Kiwisch'sche Uterusdouche wiederholt versuchtund versuchen sehen; einmal einen sehr prompten und günstigen Ver-