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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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557
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Cohen's Methode. 557

mit Sicherheit ein Lufteintritt bei der Einspritzung vermieden wird.Die Veranlassung zu den erwähnten Zufällen ist nicht vollständig klar;da wir aber in der Krause'schen Methode eine Operation haben, welchedieselben Vortheile bietet, wie die Cohen'sche, ohne eine solche unauf-geklärte Gefährdung des mütterlichen Lebens zu bedingen, so kannunmöglich die Cohen'sche Methode für die Praxis empfohlen werden.Doch wäre in praktischer wie wissenschaftlicher Beziehung eine Auf-klärung der Frage, ob durch eine Vermeidung von Lufteintritt die Ge-fahren der Methode vermindert würden, von grossem Werth.

Diese drohenden Zufälle, die relativ oft nach der C o h e n'schen Operationvorgekommen sind, wurden auch in gynäkologischen Fällen gelegentlich beob-achtet, wenn die Spritzenkanüle am Muttermund fest anschloss 1 ). Das Eintretenderselben wurde bei der künstlichen Frühgeburt gleicherweise beobachtet, ob mehroder weniger Wasser injicirt worden, ob das Ansatzrohr tiefer oder nur wenig weiteingeführt war. Dass natürlich die Zufälle weder damit erklärt, noch dadurch ent-standen waren, dass bei denselben die Flüssigkeit nicht in den richtigen Zwischen-raum eingedrungen sei, liegt auf der Hand. Cohen behauptete zwar wiederholtbei den Misserfolgen, dass die Einspritzung nicht recht gemacht worden sei, unddie Flüssigkeit statt zwischen Chorion und Decidua einzudringen, zwischenDeci-dua und Uterinfläche eingedrungen sein müsse."

Die Kindersterblichkeit betrug in den Fällen von Cohen, Steitz, Kilian,Krause, Strauss, Riedel, Ortwin, Nägele, Pontonier, Jenni, Crede,Birnbaum, Hecker, Haussmann, Coesfeld, L. Mayer, German, Martin,Lazarewitsch, C. Rokitansky, Lumpe, Reymann, Gauchet, Aran, Guer-dam, Noeggerath, Hartmann 2 ) unter 85 Geburten 30, also 35%-

Künne hat die Modification angebracht, dass er einen mit Flüssigkeit ge-füllten elastischen Katheter in den Uterus einführte und dann ohne jede Gewaltdie Einspritzung machte. Näher hat Künne seine Modification nicht angegeben.

Mit Leichtigkeit wäre das Verfahren so zu modificiren, dass bei voll-ständigem Luftabschluss. Intrauterininjectionen gemacht und der Katheter liegengelassen wird. Es müsste vor der Einführung das Gummirohr und der Kathetermit gekochtem und wieder abgekühltem Wasser gefüllt und durch Verschlussmittels eines Quetschhahnes voll erhalten werden. Nach der Einspritzung könnteman durch Liegenlassen des Katheters die Wehen anregen, auf jeden Fall abermit Sicherheit einen Lufteintritt vermeiden.

I. Der Eihantstich.

Hiefür gibt es zwei verschiedene Verfahren, das Sprengen derBlase im inneren Muttermund oder an einer höher gelegenen Stelle.Die erstere Methode ist zugleich die älteste und jüngste. Die Wirk-samkeit steht ausser Frage, weil es eine altbekannte Thatsache ist,dass nach dem Abgang des Fruchtwassers die Geburt in kürzerer oderlängerer Frist beginnen muss. Die Erklärung, warum der Fruchtwasser-

') Vgl. Frommel, Z. f. G. u. G. Bd. V. p. 225 u. Fischer, Ueble Zu-fälle bei Ausspülung der Gebärmutter. Diss. Halle 1879.

2 ) Die 15 Fälle von Künne sind hier nicht angeführt, weil diese ebensogut eine Modification der Krause'schen Methode genannt werden können, als derCohen'schen und entweder bei beiden gerechnet, ober bei beiden weggelassenwerden müssen. Vergl. die Quellenangaben in der Diss. inaug. von J. Heget-schw eiler,die künstliche Frühgeburt", Erlangen 1879.