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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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556
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556 Cohen's Methode.

liehen Katheters und sollte mit der Spitze 2 Zoll tief in den Cervical-kanal eingeführt werden. Die Entleerung der Spritze wurde langsamund sorgfältig gemacht, beim leisesten Hinderniss dem Rohr eine andereRichtung gegeben. Als Injectionsflüssigkeit diente anfangs Theerwasser,Aqua picea, später einfach warmes Wasser.

War 6 Stunden nach der ersten Injection die Wehenthätigkeitnoch nicht im Gang, so folgte eine zweite Einspritzung.

Schon bei Cohen's erster Anwendung trat 3 Stunden nach derzweiten Einspritzung ein Schüttelfrost ein, der aber vom Autor,höchst naiv,als Andeutung der Mutterthätigkeit" erklärt wurde.

Schnelle Wirkung ist dieser Methode von keiner Seite abgesprochen worden;dass meistens eine Injection genügte, um die Geburt in Gang zu bringen, gereichtihr auch zum Vortheil; unfreiwillige Zerreissung der Eihäute war nie zu beklagen,die Kindersterblichkeit durchaus nicht schlechter, eher besser als bei anderen Me-thoden Vorzüge in jeder Beziehung, und doch ist diese Methode wenige Jahre,nachdem sie wie ein Komet aufgegangen war, von anderen Verfahren verdunkeltworden. Die Nachtheile, welche bei der C oh en'schen Methode beobachtet wurden,sind höchst ungewöhnliche gewesen und es verlohnt sich heute, wo die pathologischenAnschauungen über das Puerperalfieber andere geworden sind, auf die Erscheinungenund deren Erklärung nochmals zurück zu kommen. Unter 68 Fällen brach 12malwährend oder bald nach der Einspritzung ein Schüttelfrost aus. Die Symptome,die sich mehreren Beobachtern in gleicher Weise darboten, waren folgende: inkürzerer oder längerer Zeit, in '/43 und mehr Stunden nach der Einspritzungtrat Zittern, Angst und Beschleunigung des Pulses ein; Hitze der Haut, Kopfwehnebst Frösteln, wirklicher Schüttelfrost folgten bald nach, ja in einigen Fällen kamalles plötzlich und die früher gesunde Schwangere verlor das Bewusstsein. Wo dieKreissenden später zur Section kamen, wurde der gewöhnliche Befund des Puer-peralfiebers beschrieben. Martin notirte von dem einen seiner Fälle Endometritisseptica und jauchigen Zerfall der Thromben in den Uterinvenen. Diese schlimmenErfahrungen brachten die Methode sehr rasch in Verruf; die vorurtheilslosestenGeburtshelfer erklärten, eine Operationsmethode nicht mehr befolgen zu können,bei welcher dem Leben der Mutter eine bei den anderen' Verfahren völlig un-bekannte Gefahr drohe. Wir können hier noch anführen, dass in der von unsdurchgesehenen Literatur noch 5 Fälle (Litzmann und Braun) nach Kiwisch'sMethode mit gleich stürmischen Erscheinungen 'verliefen, wo in einem derselben(Litzmann, Arch. f. Gyn. Bd. II) die Luft direct nachgewiesen werden konnte,dass aber bei Anwendung der übrigen Methoden, bei denen keine Einspritzungengemacht wurden, nur ein einziger Fall (publ. v. Olshausen, M. f. G. XVIII.P- 363) mit ähnlichen erschreckenden Erscheinungen verbunden war.

Es ist schon früher angenommen worden, dass Lufteintritt in dieVenen die Schuld an diesen unglücklichen Zufällen getragen habe. Wahr-scheinlich hat die eingespritzte Luft nur durch Veranlassung weit-reichender Thrombosen die erwähnten Symptome hervorgerufen. Diegrössere Zahl der Fälle, namentlich die letalen, verliefen unter demBild einer septischen Infection; und für Entstehung der letzteren warenallerdings die Bedingungen viel günstiger bei der Cohen'schen Me-thode als bei irgend einer anderen, da es ausser Lazarewitsch vorankeinem, der sie anwendete, eingefallen war, irgend eine Vorrichtungzur Vermeidung des Lufteintrittes zu treffen. Möglich wäre es immer-hin, dass durch die ausgedehnten Trennungen der Eihäute sich weit-gehende Thromben in der Placentarstelle bilden könnten, selbst wenn