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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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555
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Methoden von Hamilton und Cohen. 555

Barnes 1 ) haben wir bei Gelegenheit der künstlichen Eröffnung des Muttermundes <schon erwähnt.

In Frankreich waren ähnliche Vorschläge, wie derjenige Tarnier's ist, ge-macht worden von Daude, Lepine und Moyne 2 ). Was die Resultate der ver-schiedenen Verfahren betrifft, so haben wir ausser den Beobachtungen Tarnier's(10) noch Fälle zu registriren von Lefeuvre, Spiegelberg (7), G.usserow 3 ) (4).Die Geburtsdauer schwankte zwischen 4 und 76, im Durchschnitt 42 Stunden.Die Resultate in Beziehung auf die Mortalität der Kinder sind, so weit die An-gaben gehen, recht ungünstig. Unter 11 Geburten waren dieselben 4mal todt-geboren und 5 starben innerhalb der ersten 9 Tage wieder ab. Ueber dieBarnes-sche Methode liegen nur sehr wenig Erfahrungen vor.

Nach Barnes 4 ) wäre übrigens von Keiller der Vorschlag, durch eine auf-gespritzte Kautschukblase die künstliche Frühgeburt einzuleiten, schon vor Tar-nier gemacht und von Jardine Murray früher (Medical Times and Gazette1859) ausgeführt und publicirt worden.

2 b. Ablösen der Eihäute im Umkreis des inneren Muttermundes mit dem Finger.

Methode von Hamilton; mit einem Katheter ist dasselbe Verfahren vorgeschlagenworden von Riecke und Mampe.

Diese Methode kommt in der Art des Reizes, den sie setzt, derTarnier'schen sehr nahe; auch bei dieser wird durch die ausgedehnteBlase eine Trennung der Eihäute von der Decidua bewerkstelligt. DieWirkung ist weniger sieber, die Gefahr des vorzeitigen Blasensprungeseher grösser und die Ansteckungsmöglichkeit mindestens gleich. Gründegenug, die gegen die Methode sprechen. Hamilton ist fast ohneNachahmung geblieben.

Hamilton's Ergebnisse sind günstig zu nennen. Von 94 Fällen waren 3erfolglos, 71 ergaben lebende, 15 todte Kinder, bei 5 ist kein Erfolg verzeichnet.Die Geburtsdauer betrug 18 Tage. Riecke brachte mit dem Katheter dieGeburt gar nicht in Gang und musste schliesslich die Sprengung der Blase vor-nehmen. Ebenso verlief ein Versuch von Aiken erfolglos.

3. Das Einspritzen von Wasser zwischen Eihäute und Uterus.

Methode von Cohen. Vorgeschlagen wurde das hier zu beschreibende Verfahrenschon von Schweighäuser, zuerst aber wirklich ausgeführt von Cohen.

Wir folgen hier den ursprünglichen Vorschriften, gerade weilspäter bei den eingetretenen Zufällen der Urheber dieser Methodeimmer mit dem Einwand kam, dass die Einspritzung nicht richtig ge-macht worden sei. Verwendet wurde eine zinnerne Kinderspritze von22 1 ja Loth Inhalt, daran wurde eine Röhre angeschraubt von 8 bis9 Zoll Länge, die sich an der Spitze bis zu x /6 l js Zoll Durchmesserverjüngte. Das einzuführende Rohr hatte die Krümmung eines weib-

J ) Edinburgh Medical Journal. Juli 1862. Nr. 1. XXXV; 30. Juli 1863.

2 ) Vergl. Daude, Bulletin de l'academie imp. de med. T. XXVIII. Nr. 20.30. Juli 1863.

3 ) Vergl. Max Runge, Bericht etc., Vierteljahrsschrift für prakt. Heilkunde.Prag, CXXXVIII. p. 10.

4 ) Vergl. Barnes, Operations obstetric. traduit de Cordes, p. 353.