Die Krause'sche Methode. 553
Katheter oder Bougies Darmsaiten einlegte l ). Hier war die Geburtsdauer im Mini-mum 5, durchschnittlich 12 Stunden und selbst die längste nur ein Tag.
Im allgemeinen ist die Sterblichkeit der Mütter nur mit Berücksichtigungder Todesursache zur Abschätzung der Methode heranzuziehen. Wenn auch ein-zelne Verfahren eine grössere Infectionsgefahr bedingen mögen als andere, so mussdoch im allgemeinen zugegeben werden, dass die Infection gewöhnlich nicht derMethode als solcher zur Last fällt. Schwerer wiegt der tödtliche Ausgang, wenner bei einer sonst gesunden Frau direct als Folge der Methode angesehen werdenmuss, z. B. durch Lufteintritt in die Venen. Die Sterblichkeit der Kinder ist fürdie Brauchbarkeit einer Methode das richtigere Criterium. Aber jeder Geburts-helfer, welcher diese Operation selbst schon öfters vorgenommen hat, wird zu-gestehen, dass wegen der vielen Zufälligkeiten, welche die Mortalität der Kinderbedingen, kleine Zahlen keinen Entscheid gestatten, dass vielmehr nur ein Vergleichmit recht grossen Zahlen, mit Hunderten oder Tausenden von Fällen ein endgültigesUrtheil über den praktischen Werth der einzelnen Methoden abgeben kann. Davonsind wir aber zur Zeit noch weit entfernt, und vorläufig ist es richtiger, Fälle zusammeln, aber keine Schlüsse daraus zu ziehen. Wir können demnach dieKrause'sche Methode nur empfehlen wegen ihrer praktischen Vortheile, der Ein-fachheit und der sicheren Wehenerregung.
Aus einer Zusammenstellung von künstlichen Frühgeburten, die von Krause,Valenta, Kirsten, Hennig, Breslau, Ed. Martin, Hecker, C. Braun,Riedl, Helfer, Scanzoni, Schröder, Germann, v. Franque, Naceff,Dohrn, Berthold, Earle, Armstrong und Huber eingeleitet worden waren,incl. 4 Fälle, die in Erlangen vorgekommen sind, waren unter 97 Geburten31 Kinder todt gekommen, d. i. 31,9 auf 100.
2 a. Die Methode von Tarnier mit dem Diiatateur intrauterin.
Wir führen hier zunächst die vollkommenste Methode an undmachen bei der Besprechung von verschiedenen Abänderungen, die aberim Princip das gleiche Ziel anstreben, Mittheilung.
Bei der Tarnier'schen Methode handelt es sich um eine Ab-hebung der Eihäute in der Umgebung des inneren Muttermundes undeinen an dieser Stelle anzubringenden mechanischen Reiz durch eineaufgespannte Blase.
Der hiezu nöthige Apparat — der Diiatateur intrauterin — be-steht in einem Kautschukschlauch, welcher an seiner Spitze eine dehn-barere Stelle hat, die einem Druck beim Aufspritzen mit Wasser odermit Luft nachgibt und sich kugelig aufbläht. Die Einführung geschiehtmit einem besonderen Instrument „Conductor". Durch eine feine Oeff-nung an der Spitze wird ein Faden, der an das dehnbare Ende desSchlauches geknotet ist, durchgezogen und locker an dem Conductorbefestigt, dann wird der Apparat bis über den inneren Muttermundeingeführt, die Blase mit Wasser ausgedehnt und, da jetzt diese überdem Muttermund festgehalten wird, der Conductor zurückgezogen. Istnach Anregung der Wehen der Muttermund bis zum Durchmesser deraufgespritzten Blase erweitert, so gleitet diese wieder in die Scheide.Man braucht also zu dieser Methode ein ganzes Instrumentarium:mehrere Kautschukschläuche, weil .dieselben ad maximum gedehnt wer-
J ) Vergl. J. Heget chweiler 1. c. p. 43.