552 Die Krause'sche Methode der künstlichen Frühgeburt.
wird) so eng ist, dass die Bougie nicht durchgehen kann, so mussdie künstliche Erweiterung des Cervicalkanales durch Quellmittel vor-ausgeschickt werden, falls man auf der Krause'schen Methode be-harren will.
Die ersten Wehen treten gewöhnlich in einigen Stunden (nachValenta schon nach 40, ein andermal in 30, nach Martin sogar in5 [!] Minuten) ein. Nur ausnahmsweise dauert es länger (6 —20 Stunden).Kurz vor dem Blasensprung wird die Bougie zurückgezogen. DieseMethode braucht keinen eigenen Instrumentenapparat undüberhaupt nicht so viel Aufwand als alle übrigen. Diese Vor-theile machen sie für den Practiker sehr empfehlenswerth, und Unan-nehmlichkeiten, die schon vorgekommen sind, können dem Lob keinenEintrag thun.
Die Gefahr der Luftinfection ist bei der Krause'schen Methodenicht grösser als bei derjenigen von Tarnier und Cohen und geringerals beim Eihautstich. Ein unangenehmer Zwischenfall ist die Zer-reissung der Eihäute. Ein Unglück ist das aber nicht zu nennen, dennes ist ja nur eine andere Methode — der Eihautstich — unabsichtlichgemacht worden. Hauptsächlich trägt dazu bei die Unbiegsamkeitder Bougies. Bei Smaliger Application von Darmsaiten und 4malbei weichen französischen Kathetern erlebte C. Braun niemals dieEihautverletzung, bei 3maligem Gebrauch von unbiegsamen englischenKathetern jedesmal.
Auch die Gefahr, mit der Bougie auf die Placenta zu stossen unddieselbe zwischen Decidua und Uteruswand einzubohren, hat bis jetztniemals Schaden gebracht. Es ist schon ein paar Mal vorgekommenund hat sich durch einen erheblichen Blutabgang aus dem Katheterbemerkbar gemacht. Beim Zurückziehen und einem erneuten Einlegenin einer anderen Richtung ist jedesmal die Blutung gestanden und ohneFolgen geblieben.
Zur Ausführung lasse man die Schwangeren in eine möglichstbequeme Lage bringen, also in Steissrückenlage im Bett oder in dasQuerlager auf einen Tisch. Dann wird mit dem Finger die Mutter-mundsöffhung aufgesucht und die Bougie, wie sonst die Gebärmutter-sonde, eingeführt.
Die Krause'sche Methode hat Vorläufer gehabt, welche im Princip nichtverschieden sind: zunächst die Vorschläge von Lehmann 1 ) (Amsterdam) undM er rem (Cöln), wobei ein biegsamer Katheter tief eingeführt, aber sofort wiederentfernt wurde. In 14 Fällen kamen 13mal die Kinder lebend, die Mütter bliebengesund. Noch Vor Lehmann war vonMampe 2 ) das Einführen eines elastischenKatheters nach verschiedenen Richtungen empfohlen worden. Aber die Geburts-dauer fiel im Durchschnitt dieser Fälle ziemlich lange (ca. 3 Tage) aus. EineModifikation der Kraus e'schen Methode wandte C. Braun 3 ) an, indem er statt
') Casper's Wochenschrift S. 657. 1838.
2 ) Vergl. Kuhn, Erfahrungen über künstl. Frühgeburt (aus der geb. Klinikvon C. Braun), Spital-Zeitung 1863. Nr. 9 u. ff.
3 ) Wiener med. Wochenschrift 46. 1858.