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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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550
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550 Die Einleitung der Frühgeburt.

regt durch eine Verfettung der Decidua, wodurch das Ei in der Gebär-mutterhöhle ein fremder Körper wird, welcher reflectorisch Contractionenanregt. Für diese Auffassung steht die letztere Thatsache ganz fest,nämlich, dass ein fremder Körper in der Gebärmutterhöhle, besondersgegen Ende der Schwangerschaft, Wehen anregt. Die Verfettung derDecidua, als Zeichen der Reife oder des Verwelkens des Eies, galtbisher als Axiom. Wenn es auch gegenwärtig in Frage gestellt wird,so ist die Bestätigung des Einwandes erst abzuwarten. Höchstenswird das Ergebniss eine andere Formulirung derReifung" sein.Dass zwischen diesen beiden Thatsachen ein causaler Zusammenhangbesteht, wird durch die Fälle von intrauterinem Tod der Frucht, be-wiesen.

Die Methoden der künstlichen Frühgeburt können unmöglich eineVerfettung der Decidua erzielen wollen, denn das liegt nicht in unsererGewalt. Das beabsichtigte Ziel, Geburtswehen anzuregen, kann aberauch erreicht werden, wenn man einfach mechanisch das Ei von seinerUnterlage trennt. Durch die Umwachsung von Seiten der Decidua istdas Ei gleichsam ein Theil der Uterusschleimhaut geworden. Wennman die innige Verbindung stört, macht man das Ei zum fremdenKörper. Die gleiche Wirkung hat auch das Einführen von Fremd-körpern neben dem Ei.

Ihrer Erregbarkeit nach verhält sich die Gebärmutter ähnlich wieandere Muskeln. Reize, welche auf die letzteren wirken, üben auchauf den Uterus den gleichen Einfluss aus.

Als Muskelreize kennt die Physiologie (vergl. Hermann, Lehr-buch der Physiologie):

1) den normalen Reiz; er geht vom Nerven aus und wird ent-weder vom nervösen Centralorgan (Wille, Automatie, Reflex) oder voneinem gereizten Punkte der Nervenbahn zum Muskel geleitet;

2) elektrische Reize;

3) chemische Reize (als Beispiele erwähnen wir Salzsäure [zu 0,1 °/o],Lösungen von Metallsalzen, Chloralkalien, verdünnte Milchsäure etc., aberimmer direct auf den Muskel applicirt);

4) thermische Reize;

5) mechanische Reize.

Nur unbewusst ist ein Theil dieser Reize, wie sie für die Muskel-physiologie bekannt sind, schon zur Einleitung der Frühgeburt ange-wendet worden.

Aus praktischen Gründen theile ich die Besprechung so ein, dasszunächst diejenigen Methoden berücksichtigt werden, die einen directen(mechanischen) Reiz auf die Gebärmutterinnenfiäche abgeben. Hierwerden wir nochmals trennen müssen, je nachdem die Nerven desHalstheiles oder diejenigen des Gebärmutterkörpers dem Reiz ausgesetztwerden. Drittens kommen die Methoden, bei denen der Reiz nur aufdie Vaginalportion, die Brustdrüsen, Scheide und Vulva applicirt wird.Endlich sollen zuletzt die Arzneimittel, denen eine wehenerregendeWirkung zugeschrieben wird, Erwähnung finden.