Der Eihautstich. 549
des Kopfes, wenn derselbe bei noch vorhandenem Fruchtwasser dieNeigung hat, vom Beckeneingang abzuweichen. Auch hier hat mannur beim Abwarten des richtigen Zeitpunktes einen Erfolg. Die Blasen-sprengung soll nicht gemacht werden, ohne dass der Muttermund ganzoder nahezu eröffnet sei.
Die wegen eines zu engen Muttermundes misslungene Fixirungdes Kopfes kann den Vorfall des Nabelstranges veranlassen; kurz, eskann durch die kleine Uebereilung mit der Eihautzerreissung eine Ge-burt, die bis dahin die beste Prognose gab, augenblicklich geändert, undEingriffe nothwendig werden, welche geeignet sind, die Prognose zuverschlechtern.
Bei Placenta praevia ist die Empfehlung des Wassersprengensvon alter Zeit her bekannt. Richtig ist jedoch das Blasensprengen beiPlacenta praevia keineswegs, wenn nicht sofort die combinirte Wendungangeschlossen oder dasselbe im Verlauf der combinirten Wendung aus-geführt wird.
Bei Hydramnion müssen wir auf Einhaltung der gewöhnlichenVorbedingungen ganz verzichten. Die Hauptsache ist hier, dass dieAmnionflüssigkeit sich langsam entleere.
Nach der allgemeinen Definition ist selbstverständlich der Blasen-riss am Platze, wenn die Eihäute bis vor die äusseren Geschlechtstheilegetreten sind oder irgend eine entbindende Operation unternommenwerden soll.
Die Ausführung ist so einfach, dass darüber nicht viel Wortezu brauchen sind. Gegen die gespannte Blase drückt man den Zeige-finger an und dies genügt in der Regel. Wenn nicht, so hilft einegenau gereinigte Stricknadel aus, die, gedeckt von einer Hand, einge-stossen wird. Alle Instrumente, welche schon angegeben wurden, umdie Eiblase nicht im Muttermund, sondern höher oben zu perforiren,dienen dem beabsichtigten Zwecke nicht. Angestrebt wird damit einlangsames Absickern des Fruchtwassers. Da aber unabsichtlich derRiss grösser wird, fliesst das Fruchtwasser so rasch ab, wie beim ge-wöhnlichen Einstossen eines Fingers.
Von den vielen Instrumenten, die speciell zu diesem einfachen Verfahrenempfohlen worden sind, können wir keinem weiteren irgend Anerkennung zollen,ausser dem scharf und kurz gebogenen Häkchen, das K i 1 i a n empfohlen hattefür die seltenen Fälle von ganz straffer Spannung der Eihäute und festem Anliegenderselben am Kopf. Es ist das bei Fisteloperationen regelmässig gebrauchte,langgestielte Häkchen.
Die Einleitung der Frühgeburt.
Um die einzelnen Methoden der Einleitung der Frühgeburt voneinem gemeinschaftlichen Gesichtspunkt aus zu betrachten und um siein ihrer Wirkung besser zu verstehen, müssen wir einen kurzen Rück-blick auf den Beginn der natürlichen Geburt werfen.
Die ersten Wehen werden nach der geläufigen Auffassung ange-