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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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545
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Die manuelle Erweiterung des Muttermundes. 545

düng die Mutter aus der grössten Lebensgefahr befreien kann. ZurWendung ist eine Eröffnung für die Hand durchaus nicht nothwendig,da man ja mit 2 Fingern die combinirte Wendung machen kann.

Hat die Extraction keine Eile, so kann man mittels des Kindesden Muttermund langsam erweitern.

Unter den gleichen Bedingungen sind auch Kautschukblasen (GummiCondoms, siehe Tarnier's Methode der künstlichen Frühgeburt), dienachher durch Luft oder Wasser ausgedehnt werden, sehr zweckmässig.

Historische Notizen. Früher, wo die Aerzte von dem Vorkommen desengen Beckens keine Ahnung hatten, war es nach der Auffassung jener Zeit stetsder Muttermund, der die Schwierigkeiten machte. Wo dieser eng war, scheinendie Geburtshelfer ohne Auswahl mit Instrumenten oder mit der Hand gedehntzu haben. Schon Celsus beschreibt ein Verfahren, welches auch noch heutedas einzige ist, das überhaupt entsprechenden Falles angewendet zu werdenverdient:Hac occasione usus medicüs, unctae manus indicem digitum primumdebet inserere atque ibi continere, donec iterum id os aperiatur, rursusque alterumdigitum demittere debebit et per easdem occasiones alios, donec tota esse intusmanus possit." Später erst treten Dilatatoria an Stelle der Hand. Die Ver-muthung, dass der grösste Theil dieser sog. Specula uteri nur dazu bestimmtwar, die Scheide zu dehnen, können wir auf die Publication Osiander's undspäterer Autoren stützen, in welcher dieselben nachwiesen, dass in jenen Zeiten eineunglaubliche Confusion bestand, indem Uterus und Vagina gar nicht als besondereOrgane unterschieden wurden, also das Orificium uteri der alten med. Auterennichts anderes als das Ostium vaginae ist.

In neuerer Zeit ist ein längst in Vergessenheit gerathenes Mittel wiederaufgetaucht. Blasen aus Thiermembranen oder Kautschuk werden leer durch denMuttermund eingeführt und dann mit Luft oder Wasser ausgedehnt. Für einegeringe Erweiterung könnte Tarnier's Dilatateur intrauterin benützt werden,obschon derselbe nur für die Einleitung der künstlichen Frühgeburt construirtworden ist (siehe dort). Dagegen sind ausschliesslich zur Erweiterung vorge-schlagen worden Thierblasen, welche über eine Canüle gebunden werden, vonWahlbaum 1 ) und Schnakenberg 2 ), und aus Kautschuk die Beutel von Bar-nes. Diese letzteren haben Violinenform; der schmale Halstheil soll im Mutter-mund liegen und den Apparat festhalten. Uebrigens ist deren Anwendung erstmöglich bei einer ziemlich weiten Oeffnung, wo also für den Fall der Noth auchdie Hand allein den Weg bahnen könnte.

ß) Die blutige Eröffnung des Muttermundes.

Diese Ueberschrift könnte die Vorstellung erwecken, dass manhiebei mit dem Messer den unteren Gebärmutterabschnitt kreuz undquer aufschneide.

Noch nie sind bis jetzt die Vorschläge so gemeint gewesen. Vor-läufig hat man mit der sogenannten blutigen Eröffnung nur ober-flächliche Incisionen in den Muttermund verstanden.

Wo es sich um eine Unnachgiebigkeit Rigidität des äusserenMuttermundes handelt, sind bei kräftiger Spannung der Ränderdiese Incisionen empfehlenswerth.

') Levret's Wahrnehmungen, übersetzt von Wahlbaum. 1738. 8. p. 416;vergl. Kilian, Operative Geburtshülfe. 1849. I. 1. p. 209.2 ) Siebold's Journal. Bd. VHI. p. 472.Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 35