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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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538
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538 Die Störungen der Milchabsonderung.

des höpit. 13. 1. IL 1853), Tilt (Med. Berl. Zeit. Nr. 8. Febr. 1853) und Vernoisund Becquerel (l'ünion med. Nr. 70. 1853). Tilt fand, dass unter 100 Frauen,welche während des Stillens die Menstruation bekamen, bei 45 Menge und Be-schaffenheit der Milch unverändert blieb, bei 8 die Quantität nachliess, nur bei1 ganz versiegte. Bei 24 vermehrte sich sogar die Menge während der Regeln.Vernois und Becquerel machten chemische Analysen von der Milch der Men-struirenden und fanden während der Menstruation nur den Zucker etwas ver-mindert (43,88 : 40,49), Casein und Extractivstoffe dagegen grösser (38,69 : 47,69).Die Milch würde dadurch ja nur nahrhafter werden. Irgend ein Nachtheilvom Fortstillen der Kinder während der Menstruation war nichtzu bemerken.

Sehr selten kommt die übermässige Milchabsonderung vor, derMilchfluss, Galactorrhöe, welche sich besonders dadurch kenn-zeichnet, dass die Milch auch nach dem Ablegen des Kindes in grossenMengen fortfliesst. Dieser grosse Säfteverlust muss in kurzer Zeit Ent-kräftung herbeiführen.

Die Ursache dieser Störung ist unbekannt.

Die Behandlung besteht in der Verabreichung von Jod undJodkalium innerlich und einem festen Druckverband mit Kleisterbinden.Jod wird 1014 Tage lang zu 0,3 g pro dosi 3mal täglich gegeben,der Verband natürlich bei Durchnässung immer wieder erneuert. Ausserdem angegebenen Verfahren sind noch empfohlen von Kiwi seh undKrombholtz Injectionen mit Kali causticum 0,12 auf 60 g Wasser indie Milchausführungsgänge; ferner Extractum Belladonnae mit Glycerinzu Einreibungen in die Brust, Umschläge mit Eichenrindeabkochungund später Höllensteinsalben. Ich würde gegebenen Falles Faradisationder Brustwarze und Milchausführungsgänge versuchen, um die Muskelnder Warze in Thätigkeit zu bringen.

Sehr selten kommt es zu einem Verschluss eines Milchausfüh-rungsganges und dadurch zur Stauung der Milch ohne Eiterbildung.Das Ergebniss dieser Stauung ist die Bildung einer Milchgeschwulst,einer Galactocele. Meist sind solche Ansammlungen nur klein; dochexistirt die bisher einzig dastehende Angabe Scarpa's, dass die Ge-schwulst 10 Pfund Milch enthielt und bis zur linken Schenkelbeugehinunterreichte.

Diagnose. Diese Bildung kann natürlich leicht mit einemAbscess verwechselt werden, besonders wenn die Milchgeschwulst indas umliegende Zellgewebe geplatzt ist.

Die Behandlung besteht in Eröffnung der Cyste und An-regung der Wände zur Granulation durch Anätzen, um so eine Verödungzu erzielen. Als Aetzmittel wird auch hier das sonst für solche Cystengebräuchliche Mittel, nämlich Jodlösung benützt.

Plötzlicher Tod im Wochenbett.

Wenn je der Tod eine Wöchnerin plötzlich ereilt, so wird in derRegel dem Arzt die Frage nach der Ursache des plötzlichen Hinschei-