Plöztlicher Tod im Wochenbett. 539
dens vorgelegt. Zur Orientirung über die verschiedenen Möglichkeitengeben wir hier eine kurze Uebersicht der häufigsten Vorkommnisse.
Ueber Hirnapoplexieen gehen wir mit der einfachen Erwähnunghinweg. Eine junge Mutter stirbt nicht leicht an Apoplexie, weil indiesen Jahren keine Capillaraneurysmen aufzutreten pflegen. Ebensowird nicht leicht bei einer Wöchnerin plötzlicher Tod eintreten, weilsie sich beim Essen verschluckt und an dem Bissen erstickt. Das istja freilich schon oft mitten im rauschenden Jubel eines Gastmahles,wo die Menschen sich in Lebensfreude überboten, als grellster Contrastvorgekommen. Diejenigen laufen immer Gefahr, welche bei hastigemSchlingen zugleich lachen und scherzen wollen. Solchen Gefahren sindjedoch Wöchnerinnen am wenigsten ausgesetzt.
Auch solche Ereignisse wie Herzruptur in Folge von Myocarditisoder Embolie der Art. coronaria cordis erwähnen wir, ohne weitere Be-sprechung, weil das Wochenbett als solches nur höchst selten, nur etwabei intercurrenter Endocarditis ulcerosa, dazu führen kann.
Die Gefahren der Blutungen, der Eklampsie und des Luft-eintrittes in die Venen haben wir schon erwähnt, speciell derletzten Veranlassung bei Gelegenheit der Placenta praevia gedacht undwerden derselben bei der Einleitung der künstlichen Frühgeburt noch-mals zu gedenken haben.
Was beim plötzlichen Tod von Wöchnerinnen als specifische Ur-sache übrig bleibt, das sind die Embolieen in die Arteria pul-monalis.
Zu solchen Embolieen geben Venenthromben bei der phlebo-thrombotischen Form des Puerperalfiebers meistenteils den Anstoss.Doch lässt es sich nicht leugnen, dass ausnahmsweise normal gebildeteUterinthromben Bröckel in die Blutbahn treten lassen, welche im Haupt-stamm der Arteria pulmonalis eine Verstopfung und sofortigen Tod zurFolge haben. Für gewöhnlich müssen wir freilich annehmen, dass beinormalen Verhältnissen stets innerhalb wenig Tagen eine wandständigeOrganisation beginnt, welche ein Abbröckeln normaler Thromben sowenig zulässt, als das Wiederaufbrechen eines unterbundenen Gefässes.
Wir verstehen sofort, wie bei Infection des Thrombus solche Em-bolieen entstehen. Ohne leugnen zu wollen, dass ausnahmsweise auchnormale Thromben zu solchen Embolieen führen können — und davorbewahren uns die Erfahrungen bei den marantischen Thrombosen —so halten wir doch dafür, dass bei sehr vielen an Lungenembolie plötz-lich gestorbenen Wöchnerinnen eine leichte, schleichende Erkrankungim Wochenbett unbemerkt vorhergegangen sei. Es ist in den meistensolchen Fällen eine regelmässige Temperaturmessung unterlassen worden.
Das Ereigniss tritt bei scheinbar ganz gesunden Frauen auf, dieschon aufgestanden sind. Einmal erfolgte es während einer Einreibungam Schenkel. In anderen Fällen erst in der zweiten Woche nach derEntbindung.