Die Störungen der Milchabsonderung. 537
Die Störungen der Milchabsonderung.
Literatur.
Ki-wisch: Krankheiten der Wöchnerinnen. Bd. II. p. 160, 167 u. 170. —Scanzoni: Kiwisch Min. Vorträge. Bd. III. 1855. p. 108, u. Lehrbuch 4. Aufl.Bd. III. p. 480.— Veit, G.: Frauenkrankheiten, p. 612. — Winckel: Pathologiedes Wochenbetts. 1878. p. 440. — Dec.aisne: Des modifications que subit lelait etc. Comptes rendus etc. Bd. 73. Nr. 2.
Wir haben noch einige weniger bedeutende Störungen der Milch-absonderung zu erwähnen: die Agalactie, den voUständigen Mangeljeglicher Milchabsonderung. Winckel bemerkt dazu, dass er diesesnie zu sehen Gelegenheit hatte, dass wohl überhaupt bei Wöchnerinnendies nie vorkomme, es sich immer nur um eine sehr geringe, nichtsofort in die Erscheinung tretende Milchbildung, aber nie um voll-ständigen Mangel der Milch handle.
Die zu geringe Secretion ist etwas recht häufiges. Es wirddieser Zustand einer allgemeinen Schwäche zugeschrieben, zu grosserZartheit und Jugend oder zu vorgerücktem Alter, grosser Neigung zuFettbildung. Auch Frühgeburt und Geburt todter Kinder sind Ursachederselben.
Eine Abnahme der früher stark gewesenen Milchbildung entstehtin erster Linie durch Säfteverluste, Blutungen, starke Diarrhöen undFieber. Auch Gemüthsaffecte, Schreck, Angst und schwere Erkran-kungen, Entzündung der Brustdrüsen bringen die Milchabsonderungzum Versiegen. Es ist von vornherein begreiflich, dass auch unge-nügende Ernährung ein Nachlassen der Milchproduction bedingt. Diesist von Decaisne während der Belagerung von Paris an stillendenFrauen beobachtet worden. Die Milchsecretion ging zunächt auf Kostendes mütterlichen Organismus weiter. Alle festen Bestandteile, Casei'n,Butter, Zucker und Salze verminderten sich, das Albumin dagegenvermehrte sich und die Menge des letzteren stand im umgekehrtenVerhältniss zum ersteren. Bei 12 Frauen gediehen die Kinder, weilsich die Milch in Menge und Beschaffenheit nicht änderte, bei 15anderen nahmen die Kinder ab und bekamen Enteritis, bei 16 resti-renden Frauen schwand die Milch fast ganz und starben 3 ji der Kinder.
Ueber die Bedeutung der Menstruation als Anlass des Milchver-siegens bestehen vielfach falsche Vorstellungen. Wie oft ist schoneine Amme Knall und Fall weggeschickt worden, weil bei ihr dieRegel wieder eingetreten war. Dass dies auf die Milchmenge und dasBefinden des Kindes schädlichen Einfluss übe, gilt als Gesetz. Da-gegen sprechen die angestellten wissenschaftlichen Untersuchungen derMilch mit Entschiedenheit. Dass in einer Minderheit eine Aenderungzu Ungunsten eintritt, ist richtig, meistens jedoch bleibt der Ein-tritt der Periode ohne jeden Einfluss.
Es sind vier Autoren, welche sich die genauere Beobachtung und die Siche-rung der Ergebnisse nach dieser Richtung zur Pflicht gemacht hatten: Joux(6az.