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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
536
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586 Die Behandlung des Mammaabscesses.

war früher nichts allzu seltenes, dass eine von Narben und Fistelgängendurchbohrte Brust schliesslich amputirt werden musste.

Eine Bemerkung wollen wir hier noch anschliessen über die Bedeutung derMastitis und Perimastitis für das spätere Leben. Während die Häufigkeit derMastitis bei allen Entbundenen 6 °/° beträgt, kamen nach einer ZusammenstellungWiniwarter's unter 114 Frauen mit Brustdrüsenkrebs 21 % vor, die voraneine Mastitis durchgemacht hatten. Von den Mammacarcinomen hatten unterSprengel's Kranken 30 °/°> unter Oldekop's 34,4 °/°> unter Fisch er's Patien-tinnen 38,8 °/° früher eine puerperale Mastitis durchgemacht. Wir entnehmen dieseNotizen und den Schluss, dass Frauen, die eine Mastitis durchgemachthaben, besonders zu Carcinomen disponirt sind, dem Lehrbuch derFrauenkrankheiten von Win ekel. Es steckt immerhin eine Fehlerquelle darin,dass die 6 °/° au f a H e Entbundenen gerechnet sind, thatsächlich aber im Durch-schnitt jede coneeptionsfähige Frau 4 Kinder zur Welt bringt, dass einzelne Indi-viduen also 4mal die Gelegenheit haben. Mastitis zu bekommen, also auch dieVergleichsziffer der Mastitisfrequenz 4mal höher zu rechnen wäre. Es bleibt auchdann noch ein Ueberwiegen der Carcinomfrequenz übrig, was sehr bemerkens-werth ist.

Inhaltsübersicht.

1) Die puerperale Mastitis entsteht in der Regel durch eine Infectionmit eiterbildenden Mikroorganismen von den Schrunden der Brustwarzeaus, ausnahmsweise auch von den Milchgängen her.

2) Meistens handelt es sich nicht um eine Entzündung des Drüsen-gewebes (parenchymatöse Mastitis), sondern des die Drüse umhüllendenBindegewebes, also um eine Phlegmone der Mamma oder Perimastitis.

3) Es gibt zioei klinisch und bacteriologisch verschiedene Formen,eine pseudo-erysipelatöse, dicht unter der Haut verlaufende Entzün-dung durch Ansteckung mit Streptococcus und die tiefer liegenden, oftzu sehr grossen Eitermengen' führenden Äbscesse durch Staphylococcuspyogenes.

4) Wenn auch der Verlauf durchweg ungefährlich ist für das Leben,so kann er doch sich selbst überlassen oder bei unzweckmässiger Behand-lung langdauerndes Kranksein bedingen.

5) Die Behandlung beginnt mit der Antisepsis der Schrunden.Welches Mittel man gerade anwenden und, ist nicht so wichtig als die

Kenntniss des Grundsatzes, dass man die Keime hier schon zerstören,die Brust hochbinden, Kälte antuenden und das Kind absetzen muss.

6) Kommt es zum Abscess, so soll eingeschnitten icerden, sobalddeutlich Fluctuation zu bemerken ist. Der Einschnitt muss so gross sein,dass der desinficirte Finger in die Wunde eindringen und all fällig be-stehende Fistelgänge und Höhlen freilegen kamt. Dazu ist die Chloro-formnarkose erforderlich.

7) Nach der Incision folgt ein antiseptischer Compressivverband.

8) Es soll möglichst dahin gestrebt werden, mit einer Incision jedenBrustdrüsenabscess zur Heilung zu bringen.