Prophylactische Behandlung. 535
Verhütung einer Entzündung der Brustdrüse thun will, mussüberhaupt auch ohne das Vorhandensein von Schrunden dieWarzen nach jedem Stillen mit Wasser reinigen und beim Auf-treten von Schrunden das Kind absetzen oder allfällig ein Fläschchensum Milchabsaugen benützen (vergl. Fig. 109 Seite 245).
Wenn die Knotenbildung an einem Läppchen der Brustdrüse,nach Winckel am häufigsten an den äusseren unteren Partieen beginnt,so kommt zuerst das Absetzen des Kindes, das Hochbinden der Brustund daneben die Eisblase in Anwendung. Dazu verabreiche mansalinische Purgantien. Von mehreren Seiten ist in dem Anfangsstadiumauch ein stützender, leicht comprimirender Verband der ganzen Brustempfohlen worden, aus dem für die Warzen Oeffnungen herausgeschnittenwerden, aus denen das Kind weiter trinken kann. Da das Weiter-stillen jedoch gerade die vorkommenden Infectionskeime in die Schrun-den mechanisch hineintreiben kann, ist vollständiges Absetzen derKinder richtiger (vergl. die Literaturangaben). Wenn sich die Ver-keilung als nicht erreichbar herausstellt, so gehe man stets zur Be-schleunigung der Abscessbildung, zur Anwendung von Kataplasmenüber und schneide ein, so bald sich irgendwo Fluctuation2 e i g t.
Bei der Incision muss das Messer immer radiär zur Brustwarzegeführt und der Schnitt so gross gemacht werden, das man mit minde-stens einem Finger in die Abscesshöhle gelangen kann. Natürlich muss<lie Haut desinficirt, der Finger tüchtig mit Carbol oder Sublimat ge-reinigt werden. Er muss aber hinein und alle Buchten abtasten, kleineGänge erweitern. Es ist die Eröffnung recht schmerzhaft, besonderswenn man sie gründlich macht, und darum die Chloroformnarkosegeboten. Niemals begnüge man sich mit einfachen Stichöffnungen durchMesser oder Lancetten.
Ist die Entleerung geschehen und die Wundhöhle gut ausgespült, sokommt ein Drainrohr in dieselbe; dieses wird am Hautrand festgenäht,■damit es weder herausfallen, noch hineinschlüpfen kann. Nun wirddie ganze Brust gut mit Verbandwatte gepolstert und ein fester, anti-septischer Compressivverband von' Kleisterbinden gelegt. DerDruckverband ist nothwendig, damit nirgends eine Stagnation von EiterPlatz greife.
Mit dieser Behandlung soll jede Mastitis mit einer Incision in8—14 Tagen heilen. Welche Wandlung hat hierin die Lister'sche Be-handlung gegen früher gebracht, wo es trotz Incidirens Wochen undMonate lang neue Abscesse gab, bis die Kranken begreiflicher Weisedie Lust verloren, sich immer wieder schneiden zu lassen!
Bekommt man alte Fälle mit Fistelgängen u. s. w. in Behandlung,so scheue man nur das energische Aufsuchen, und Aufschneiden derEitergänge nicht, selbst wenn man die Brust mit dem Messer argdurchfurchen muss. Nur dadurch erzielt man Heilung, erzielt sie abersicher und erspart den Kranken die Vernarbung und Verunstaltung derBrust, so dass schliesslich nur Trümmer derselben übrig bleiben. Es