534 Prognose, Diagnose, Behandlung der Perimastitis.
dar einzelne Drüsenläppchen ergreift (secundäre parenchymatöse Ma-stitis). Der richtige Name für diese Form ist Phlegmone mammaeoder Perimastitis. Die andere Erkrankungsform trifft von vorn-herein die Drüsenläppchen und heisst primäre parenchymatöseMastitis. Wenn es zur Ahscessbildung und zu Durchbrüchen ge-kommen ist, sind natürlich die beiden Formen nicht mehr zu unter-scheiden und in ihren Folgen gleich. Es mag nun Zufall sein, dasswir in hiesiger Klinik im abgelaufenen Jahr gerade immer bei den imBindegewebe sich einnistenden und fortkriechenden Entzündungen dieStreptococcen fanden.
Verlauf und Prognose sind durchweg gutartig. Dass Pyämie,Septichämie und Tod dazu komme, muss als eine äusserst seltene Aus-nahme angesehen werden. Bei den Fällen aus früherer Zeit ist mander Deutung noch keineswegs sicher, weil die Mastitis ja auch zurPyämie hinzukommen konnte, aber ohne dass die Pyämie Folge derMastitis war.
Wir haben schon bei der Besprechung des Puerperalfiebers aufdie bemerkenswerthe Thatsache hingewiesen, dass hier und dort diegleichen Mikroorganismen im Spiele sind: hier Streptococcen, dortStreptococcen; hier meist ungefährliche Abscessbildung und Heilung,dort grosse Lebensgefahr und oft Tod. Entweder muss es Streptococcenvon ganz verschiedener Virulenz geben, oder es ist der Ort der An-steckung entscheidend für den Verlauf.
Ungünstig ist auch die Einnistung und die Verbreitung derPhlegmone unter der Drüse: die submammäre Phlegmone. Schliess-lich muss auch diese nach den gleichen Grundsätzen durch tiefe biszur Phlegmone reichende Einschnitte am Rand der Brustdrüse undnachfolgenden Compressivverband behandelt werden.
Die Diagnose der Schrunden sowohl als einer beginnenden Ent-zündung ist sehr leicht und einfach. Die Schmerzen, leichtes Frösteln,ja sogar Schüttelfröste im Anfang der Krankheit, die Knotenbildungund Röthung geben Anhaltspunkte genug. Fieber kann oft bis zu denhöchsten Graden vorhanden sein mit auffallend beschleunigtem Puls,kann aber auch sehr unbedeutend sein oder vollständig fehlen. Wennes zur Abscedirung kommt, fehlt Fieber nie. Zur frühen Unterscheidungder parenchymatösen Entzündung von der Phlegmone gibt es keinesicheren Mittel. Der Verlauf zeigt in wenig Tagen, ob es zur Ver-theilung oder zur Eiterung kommt.
Die Behandlung fängt bei den Schrunden und der Reinigungder Brustwarzen an. Diese müssen desinficirt werden und passen dafürUeberschläge mit Carbolsäurelösung, Sublimatlösung 1 : 2000. Früherwaren Ueberschläge mit Bleiwasser beliebt. Die ersteren sind um derdesinficirenden Wirkung willen besser. Wir ziehen allen Mitteln dasBepinseln mit Perubalsam vor, wenn Schrunden da sind. DiesesMittel desinficirt, brennt leicht und gibt eine schützende antiseptischeDecke über die kleine Wunde. Ebenso empfehlenswerth ist, Jodoform-Collodium auf die Schrunde zu pinseln. Wer das möglichste zur