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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
527
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Die Blutungen im Wochenbett. 527

Die puerperalen Blutungen.

Wir wollen hier nur diejenigen Blutungen beachten, welche nichtim unmittelbaren Anschluss an die Geburt, also in der Nachgeburts-periode, sondern in den vorgerückteren Tagen des Wochenbettes auftreten.

Die häufigste Ursache für den meist geringen Blutabgang sindmangelhafte Rückbildung und Reste der Placenta, also Chorion-zotten oder Reste der Eihäute, besonders der Decidua. Das Abstreifeneinzelner Partien der letztgenannten Membran kommt sowohl bei spon-tanen Geburten als nach Anwendung des Crede'schen Handgriffes vor.Die weiteren Folgen solcher Reste haben wir bei der Besprechung desAbortus schon berührt. Eine zweite Ursache sind Retroversionendes Uterus. Auffallend ist es, dass die heimlich Gebärenden Kindes-mörderinnen und die sogen. Sturzgeburten in der Regel während desWochenbettes an reichlicherem Blutabgang leiden.

Als ausnahmsweise Veranlassungen zu schweren Blutungen werden berichtetvon Hecker 1 ) eine erweiterte Vene der Cervix, Mikschik 2 ) ein Ulcus von Raben-kieldicke an der Cervix, Graily Hewitt 3 ) ein freiliegendes Aneurysma einerUterinarterie, Johnston 4 ) die Ruptur eines Thrombus der Cervix.

Die mangelhafte Rückbildung ist in der Regel die Folge unge-nügender Wehenthätigkeit, überstürzter Geburten. Sie kommt besondershäufig bei älteren Mehrgebärenden vor. Dann gesellt sich mangel-hafte Rückbildung immer zu Piacentarresten, Entzündungen des Uterusu. dergl.

Grössere Placentarstücke machen neben Blutung auch Jauchung.Die Deciduafetzen werden meistens unschädlich und unmerklich in denLochien ausgeschieden. Selten führen dieselben eine gewisse Ernährungweiter, geben einen Reiz auf die Uterusschleimhaut und bilden kleineHervorragungen: Deciduome mit Persistenz des Charakters als De-cidua oder Fibrin, resp. Placentarpolypen.

Die Bildung und Bedeutung ist schon früher beim unvollkommenenAbortus besprochen worden (vergl. S. 262).

Die Diagnose solcher Polypen ist nicht schwer, weil der Mutter-mund in der Regel nur bis zum 12. Tage, in solchen Fällen jedochwochenlang durchgängig bleibt. Dann muss man mit dem in uteroeingeführten Finger die Vorstülpungen fühlen. Allerdings ist auch hierdie richtige Lagerung zur Untersuchung nöthig: Querbett mit zurück-geschlagenen Beinen.

Die Behandlung ist gleich wie beim unvollkommenen Abortus.Unter recht gründlicher Desinfection muss die Entfernung der Polypenmittels stumpfer (Munde) oder scharfer (Recamier) Curette oder

') M. f. G-. Bd. VII. p. 2.

2 ) Zeitschr. d. Gesellsch. d. Aerzte in Wien 1854. Bd. X. p. 488.

3 ) Obstetr. Transact. IX. p. 246.

4 ) S. Sinclair und Johnston, Pract. Midwifery 1858. p. 501.