Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
526
Einzelbild herunterladen
 

526 Blasenkatarrh im Wochenbett.

Die Behandlung besteht zunächst für die Incontinentiaurinae in Folge von Drucklähmung der Sphincteren in scho-nendem, richtigem Gebrauch der Zange, für die anderen ineiner ordentlichen Ueberwachung der Blasenentleerung inden ersten Tagen des Wochenbettes, rechtzeitigem Katheterisirenmit vorsichtig desinficirten Instrumenten.

Wird der Arzt zu einer bestehenden Entzündung gerufen, so istdie Einleitung der Blasenausspülungen mittels des Hegar'schen Trichtersseine Pflicht. Die Arzneimittel (Balsamum Copaivae und Natron sali-cylicum u. dergl.) können zur Unterstützung der Kur, insbesondere umden Urin leicht sauer zu erhalten, nebenbei gegeben werden; aber dielocale Blasenbehandlung darf nicht versäumt werden.

Die Ausspülungen werden mit dem Hegar'schen Trichter zunächstnur mit gekochtem und auf 3335 ° C. oder 2628 ° R. abgekühltemWasser gemacht. Zieht sich die Heilung länger hin, so müssen demWasser Arzneien zugesetzt werden. Das schonendste ist eine Abkochungvon Leinsamen, Kalkwasser oder Salicylsäure 1:1000, beim chronischenKatarrh Tannin V2123 °/o oder Borsäure 3°/o. Argentum nitri-cum in Lösungen von 123 : 500 Aq. dest. empfiehlt Winckel J )besonders. Wir haben mehrmals bei Anwendung von Höllenstein-lösungen die Kranken über besonders starke Schmerzen klagen hören.Für innerlichen Gebrauch ist Kali chloricum (5 : 175) 46mal täglich1 Esslöffel voll empfohlen.

An Stelle der Blasenausspülungen empfahl Fritsch das Einsetzeneines Drainrohres in die Urethra.

Inhaltsübersicht.

1) Die häufigste Störung der Blasenfunction der Wöchnerin ist dieHarnverhaltung. Meistens kommt dieselbe von einer Schwellungtheils entzündlichen, theils traumatischen der Harnröhre.

2) Immer muss alles, besonders auch das Aufstehen oder doch dasAufsitzen zum Zweck der Harnentleerung versucht iverden, ehe man durchdie Harnverhaltung sich bestimmen lassen darf, zu katheterisiren.

3) Viel ernster ist die wochenlang andauernde Harnverhaltung ivegenLähmung des Detrusor urinae.

4) Harnträufeln kommt vor wegen Verletzungen der Blase, Blasen-scheidenfisteln und ivegen Lähmung des Sphincter vesicae in Folge starkenDruckes mittels der Zange.

5) Das Katheterisiren darf nur unter Sichtbarmachung der Harn-röhrenmündung und genauer Antisepsis ausgeführt werden, damit dadurchkeine Blasenentzündung entstehen kann.

6) Die Behandlung der Blasenentzündungen ist in der Hauptsacheeine örtliche durch Ausspülungen der Blase.

') Krankheiten der Blase. Handbuch der Frauenkrankheiten. 2. Aufl. p. 528.