Die Blasenentzündung im Wochenbett. 525
muskeln. Spontan wird dies wohl nie entstehen; dagegen durch An-wendung der Zange, besonders durch zu frühes Erheben der Griffe undüberkräftiges Anpressen der Zangenrippen und des Kopfes gegen denSymphysenwinkel. Es ist besonders Scanzoni, der auf dieses Vor-kommniss aufmerksam machte. Ich habe einen exquisiten, von aus-wärts zugeschickten Fall dieser Art gesehen, der nach einigen Wochenvon selbst heilte.
Die Blasenentzündung, Cystitis oder Blasenkatarrh hat alserstes Zeichen Trübung des Urins durch Schleim und Eiter. Dem Ge-halt an Eiter entsprechend hat solch ein Urin auch etwas Eiweiss. DasMicroscop zeigt die leicht kenntlichen Eiterzellen und Blasenepithelien,in schlimmen Fällen auch Blutkörperchen. Der Urin bleibt meist vonsaurer Reaction. In schlimmeren Fällen wird er neutral oder sogaralkalisch.
Die Blasenentzündung ist regelmässig die Folge einer Ansteckungin das Innere der Blase. Der Träger der Ansteckungsstoffe ist derKatheter. Sicher genügen schon die vor der Harnröhrenmündung liegen-den Lochien, eine Blasenentzündung zu machen, wenn sie vom Kathetergefasst und in die Höhlung der Blase gebracht werden. Die Ansteckungkommt häufiger durch Verschleppung von Lochien als durch unreineInstrumente zu Stande.
Deswegen muss jede Wöchnerin, welche zu katheteri-siren ist, vorerst genau gereinigt, insbesondere deren Harn-röhrenmündung sorgfältig sichtbar gemacht und mit reinerWatte u. dergl. abgewischt werden.
In Beziehung der Aetiologie sind von Dübelt 1 ) interessante Untersuchungengemacht worden, die beweisen, dass ohne weiteres nicht einmal die Einführungvon Zersetzungserregern mehr als eine geringe und vorübergehende Entzündungmachte, und erst gefährlich wurde, wenn die Blasenschleimhaut voran verletzt war.Nun ist aber für die Einwirkung der Entzündungserreger gerade die puerperaleBlase vorzüglich vorbereitet, indem das Geburtstrauma erfahrungsgemäss dieBlasenschleimhaut stark sugillirt.
Es gibt verschiedenartige, oder besser zu sagen verschiedengradigeBlasenentzündungen: solche mit getrübtem Urin, dann Geschwürsbildung,croupöse, diphtheritische Entzündung und endlich vollkommene Blasen-gangrän. Es ist die Schleimhaut, die sich in Fetzen gangränös ablöstund zwar zunächst am Blasenscheitel, also der Harnröhre gegenüber.Beim Katheterisiren wird die Katheteröffhung von den flottirendenFetzen verstopft und die Harnverhaltung, welche die Entstehung derGangrän ohnehin am meisten verschuldet hat, noch vermehrt. Aus derBlase entleert sich ein stinkender, blutigbraun gefärbter Urin. (Vergl.noch die Retroflexio uteri gravidi.)
Die Diagnose ist leicht zu stellen, die Prognose für die ge-ringen Grade günstig.
: ) P. Dübelt, Arch. f. experimentelle Pathologie von Klebs, Naunyn undSchmiedeberg Bd. V. p. 195.