Die Behandlung der Phlegmasia alba dolens. 523
lange auf sich warten lassen und eine Neigung zum Anschwellen derBeine über Jahre hinaus bestehen bleiben.
Was die Ursache der Phlegmasia a. d. betrifft, so liegt siein der Begünstigung der Thrombosen, worüber wir nach den Lehrender pathologischen Anatomen näheres mitgetheilt haben. Alle änderenMomente können nur disponirend sein. Wenn z. B. mehr Erkran-kungen des linken Beines vorkommen oder die des linken Beines denAnfang nehmen, so stimmt das auch mit der Erfahrung, dass die Para-metritiden weit häufiger links sitzen. Damit ist wohl ein Zusammen-hang mit der ersten Schädellage wahrscheinlich, aber durchaus nur einindirecter. Der bei erster Schädellage nach links stärker wirkende Druckkann nur die Disposition zu septischen Erkrankungen der linken Seitegeben. Sicher ist, dass grosse Blutverluste = einen begünstigenden Ein -fluss haben.
Was die Häufigkeit der Erkrankung anbelangt, so kommt dieselbedurchschnittlich im Verhältniss von 1:635 Geburten vor (nach Winckel).Diese Statistik ist älteren Datums und stammt aus einer Zeit, in welcherpuerperale Infectionen viel häufiger auftreten. Jetzt ist die Krankheitviel seltener, der beste Beweis, dass sie in der überwiegenden Mehrzahlder Fälle eine Theilerscheinung der puerperalen Infection ist.
Die Behandlung. Die Prophylaxis erfordert eine energischeBehandlung von Blutungen, Einschränkung grosser Blutverluste, besondersauch baldige Entfernung von Piacentarresten u. dergl. und Antisepsis.
Ist die Krankheit da, so lagere man zur Schonung der Krankendas Bein recht bequem, möglichst hoch und weich und mache feucht-warme Umschläge über den ganzen Schenkel. Brandblasen werdengeöffnet und gerade nachher dem Wasser ein Zusatz von TincturaOpii (30:500 Aq.) gemacht.
Zugpflaster, Blutentziehungen u. dergl. waren früher üblich, sindaber zu unterlassen.
Rationell ist eine Einreibung von Quecksilbersalbe, besonders inder Inguinalgegend und der angrenzenden Bauchhaut, doch erst in einemStadium der Heilung, in welchem das Abstossen von Embolien nichtmehr zu befürchten ist. An Einreibungen u. dergl. ist schon vielempfohlen worden, spirituöse und balsamische Einreibungen. Es istdringend zu rathen, diese und die comprimirenden Einwicklungen derExtremität nicht zu übertreiben.
Gibt es Abscesse, so öffne man dieselben so bald als möglich undverfahre im übrigen nach chirurgischen Grundsätzen.
Innere Mittel haben ausser den Purgantien keinen Werth. KräftigeErnährung sorgt besser für der Kranken Wohl.
Inhaltsübersicht.
1) Die puerperale Thrombose (Phlegmasia alba dolens) der Schenkel-venen ist in der Regel septischen Ursprunges. Entweder beruht sie aufeiner Entzündung der Schenkelvene oder eine solche tritt secundär hinzu.