Die puerperale Para- und Perimetritis. 519
Die Perimetritis ist die Entzündung des peritonealen Ueber-zuges der Gebärmutter. Wenn die entzündungserregenden Microorga-nismen in die Gebärmutterwand eindringen, so werden sie daselbstdurcb den Lymphstrom gegen den Bauchfellüberzug geschleppt undverpflanzen auch dorthin die Entzündung. An -der Serosa des Uterusverläuft aber die Entzündung anders als im Beckenzellgewebe. Vor-wiegend gibt es an den serösen Häuten gerinnende, fibrinöse Aus-schwitzungen und nur in den schwersten Formen der Ansteckung,wahrscheinlich unter der Wirkung specifisch gefährlicher Spaltpilze,grosse leichtflüssige Ergüsse in die Bauchhöhle. Die gerinnenden Aus-schwitzungen bahnen eine Abgrenzung der Entzündung an. Sie be-dingen in kurzer Zeit eine Verklebung der in Berührung befindlichenDarmschlingen. Später organisiren sich die fibrinösen Ausschwitzungen,es bildet sich Bindegewebe zwischen Serosa des Uterus und Serosa desDarmes und im späteren Leben ist die Entzündung noch an den binde-gewebigen Brücken, den sogenannten Pseudomembranen, zu erkennen.Todesfälle kommen an dieser Erkrankungsform recht selten, besondersselten im frischen Stadium vor. Wo sie einen Einblick in die Ver-änderungen gestatteten, zeigte sich das Bindegewebe durch trübes,sulziges, missfarbiges Serum durchtränkt und in den Herden klein-zellige Infiltration. Bei gutem Verlauf wird gewöhnlich das Exsudatrasch aufgesaugt.
Bei der Perimetritis ist der Bauchfellüberzug mit fibrinösen, eiter-durchsetzten Membranen belegt. Von der allgemeinen Peritonitis habenwir die zwei verschiedenen Formen schon erwähnt, die allerschlimmsteArt mit einem blutig bis chocoladefarbigen, stinkenden Exsudat ohneFibrinausscheidungen, ohne Verklebungen der Därme, und eine zweiteForm mit zahlreichen, eitrig fibrinösen Membranen zwischen den Darm-schlingen, Darmlähmung, starkem Meteorismus. Die Perimetritis isteine localisirt gebliebene Entzündung der letzteren Art, die sich aufden Bauchfellüberzug des Uterus beschränkt.
Die Symptome sind in erster Linie Fieber. Die Schmerzenkönnen bei der Parametritis sehr gering sein oder fehlen. Bei derPerimetritis dagegen sind Schmerzen stets vorhanden und ist haupt-sächlich danach die Unterscheidung intra vitam zu machen.
Die wichtigsten Zeichen, an denen die Diagnose überhaupt erstgemacht werden kann, sind abgegrenzte Anschwellungen seitlich undvor oder hinter dem Uterus.
Die Erkrankung kann recht gut mit einem Schüttelfrost einsetzen.Im allgemeinen hängt die Höhe und die Dauer des Fiebers mit derGrösse des Exsudates zusammen.
Der Verlauf und die Prognose quoad vitam sind meist günstig,aber die Krankheit selbst oft ausserordentlich langwierig. Wenn inner-halb der ersten 6 Wochen eine Entfieberung beginnt, so kann alleswieder aufgesaugt werden. Im allgemeinen geben gleich grosse puer-perale Exsudate eine bessere Prognose als die ausserhalb des Puer-periums entstandenen. Das Exsudat kommt eher zur Resorption, und