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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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517
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Die Behandlung des Kindbettfiebers. 517

der heftigen Schmerzen und der Gefahr einer chronischen Gelenks-entzündung ist der chirurgische Eingriff entschieden indicirt.

Gegen das Fieber stehen in neuester Zeit eine Reihe herrlichwirkender Mittel zur Verfügung. Man hatte früher nur Chinin undSalicylsäure zur Verfügung. Seit einigen Jahren sind Antipyrin,Thallin und Phenacetin hinzugekommen. Diese Mittel drücken dieTemperatur und setzen sie zur Norm herab, nach meinen Erfah-rungen aber nur in prognostisch von vornherein günstigenFällen und in den schweren nicht. Ich betrachte jetzt die Mittel eherals prognostisch wichtig. Wo sie die Temperatur herabsetzen, ist dieAussicht günstig. Darüber wird man aber schon klar sein oder nochklar werden, dass alle diese Mittel im Grunde die Krankheit nicht heilen.Ob diese Mittel die von den Microben gebildeten und in den Kreislaufgedrungenen chemischen Producte gleichsam neutralisiren und dadurchunschädlich machen, dagegen die eingedrungenen und fest nistendenMicroorganismen nicht bannen können, lässt sich vorläufig nur ver-muthen. Beweise für oder gegen diese Auffassung würden von höch-stem Werthe sein. Die Dosen und Verschreibungen der einzelnenMittel sind von Chinin, sulph. 0,5 d. tal. dos. 48, in Oblaten Abends24 Pulver zu geben oder in Lösung Rp. Chinini muriatici amorph,oder bisulphurici 2,0 solve in Aq. dest. 20,0 auf einmal zu nehmen.Antipyrin wird in Gaben von 1,0 g 12stündlich 1 Pulver in Oblatengegeben bis zu 46 g pro die. Thallinum sulphuric. in Gaben von0,25 g, in Oblaten 3 4mal, je nach Ablauf einer Stunde. Phenacetinzu 0,50,7 g pro dosi. Schon 0,20,5 g setzen die Körpertemperaturdurchschnittlich um 2 ° C. herab. Der Abfall erfolgt langsam und er-reicht etwa nach 4 Stunden sein Maximum (Käst).

Wenn man aber zur Ueberzeugung kommt, dass diese Antipyreticagegen die eingedrungenen Microben unwirksam seien, so muss manfragen, was es überhaupt Wirksames gebe und was die Spaltpilze un-schädlich machen könne: sicher nur der lebende Organismus, in dem-selben das circulirende Blut. Die Körperkräfte zu erhalten und zumehren muss deswegen hauptsächlich in B.etracht kommen und ist dazudie Verabreichung von Wein und Spirituosen in grossen Dosen höchstzweckmässig. Von der früher von Breisky und Conrad empfohlenenBehandlung mit Chinin und Alcohol habe ich schon lange das ersterenur zur Erkennung der Prognose gegeben und mich im übrigen anAlcoholica gehalten. In den letzten Jahren empfahl Runge 1 )aufs wärmste ausschliessliche Verwendung der Alcoholica ingrossen Dosen und der kühlen Bäder.

Inhaltsübersicht.

1) Die prophylactische Desinfection sowohl der Hände und Instru-mente, als auch des Genitalkanales besonders der Gebärmutter, nach-dem man die Hand in die Gebärmutter eingeführt hat, durch reich-

') A. f. G. Rd. 33. p. 27.