Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
516
Einzelbild herunterladen
 

516 Die Behandlung des Kindbettfiebers.

wollen. Da wir nicht die Möglichkeit haben, die Infectionsstoffe inden Darm zu schaffen, so kann die Diarrhoe nur nutzlos die Kräfteerschöpfen.

Wir erwähnen noch einzelne ältere Behandlungsmethoden, umderen absolute Nutzlosigkeit, ja sogar deren ausgesprochene Schädlich-keit zu demonstriren.

Starke Aderlässe, wie man sie vor 40 Jahren noch allgemeinmachte, sind entschieden sehr schädlich. Wir haben besonders bei derthrombotischen Form darauf hingewiesen, dass grosse Blutverluste zuweiterer Ausbreitung der Venenthromben disponiren und stützen diesenSatz auf die klinischen Erfahrungen, dass bei langdauernden Blutungenwegen Piacentarresten sehr oft abnorm weit reichende Venenthrombengefunden werden.

Sicher ist aber die absolute Nutzlosigkeit eines starken Aderlassesschon allein durch die gewonnene Kenntniss vom Wesen der puer-peralen Infection bewiesen. Was kann es nützen, Blut abzulassen,wenn die Fiebererreger zurückbleiben? Davon ist man allgemein undüberall zurückgekommen.

Brechmittel sind gewiss ganz verfehlt. Man ist bei jeder Peri-tonitis froh, wenn die Eingeweide in Ruhe sind, weil nur so Abkapse-lung der entzündlichen Ergüsse zu Stande kommen kann. Also mussman das Brechen behandeln und beseitigen mit allem, was zu Gebotesteht. Brechmittel zu geben ist direct widersinnig.

Die Anwendung von Quecksilber innerlich (Calomel), wie äusser-lich (Unguent. einer.) ist zwar rationell, doch verspricht es nicht vielErfolg. Wenn man es nicht übertreibt, so wird es wenigstens nichtschaden.

Sinapismen und Vesicatore vermehren die Schmerzen, ohne dengeringsten Nutzen zu bringen.

Bepinselungen des ganzen Abdomens mit Collodium (gegenMeteorismus) können wenigstens nicht schaden und durch die Kältekurze Zeit angenehm wirken.

Bäder dagegen und kalte Einwicklungen werden in neuererZeit ganz allgemein gebraucht. Es lässt sich damit die Temperaturherabsetzen und wenn man das Wasser nicht allzurasch und nicht zustark abkühlt, wenn man ferner davon absieht, die Patientin in kaltesWasser zu tauchen, so sind die Bäder den Kranken durchaus angenehm.Selbst bei Erysipelas haben wir die Kranken in der angegebenenschonenden Weise mit Erfolg baden lassen. Bei Athmungsstörungenist das Baden den meisten Kranken unangenehm und soll deswegennur mit Vorsicht angewendet werden.

Gegen die acuten Gelenkschwellungen ist entschieden eine chirur-gische Behandlung nach antiseptischen Grundsätzen, also Punctiren oderSpalten und Drainiren des Gelenkes, dann Anlegen eines fixirenden anti-septischen Verbandes angezeigt. Es sind dies die schwersten Erkrankungs-fälle, wo es wohl nur in wenig Fällen gelingen wird, das Leben zuerhalten: aber zum Abschwellen des Gelenkes und zur Verminderung