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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Die Behandlung des Kindbettfiebers. 515

setzendem Puls. Ich sah davon einen Anfall, der eine halbe Stundeanhielt. Das Rohr ging bei der Betreffenden schwer ein, aber kaum hattesie etwas Schmerz geäussert, so ging ein Sturm von Krämpfen los. Eswar das Bild von Zuckungen wie bei der Eklampsie: ein vasomotori-scher Reflexkrampf schwerster Art. Da eine Wöchnerin im Privathausauf Einspritzungen mit Carbolsäure regelmässig die Angabe machte,den leicht brennenden Geschmack des Carbols auf der Zunge zu ver-spüren, machen wir seit zwei Jahren die Ausspülungen der puerperalenGebärmutter nur so, dass wir gekochtes Wasser vorfliessen lassen underst dann, wenn der Abfluss gesichert ist, die Carbollösung in die Spül-kanne giessen. Dazu kommt, dass wir in der Regel die Einspritzungenunter Leitung der Augen machen und den Abfluss controliren.

Da sich seither kein solcher Anfall wieder zeigte, vermuthe ichals Ursache jener Anfälle acute Carbolintoxication x ).

Andere Fälle ohne tödtlichen Ausgang sind noch beobachtet undbeschrieben worden von Richter, Fritsch, Küstner, Herdegen u. A.

Ohne Grund darf man die Uterusausspülungen nichtmachen. Wo der Wochenbettsverlauf ohne die Irrigation gut ist, wärees nicht blos überflüssig, sondern eine Herausforderung an das böseGeschick, prophylactisch ausspülen zu wollen.

Dass zur Vermeidung solcher Zufälle das Rohr sehr zart undleicht eingeführt werden und man Röhren mit verschiedener Krümmungzur Verfügung halten muss, habe ich schon oben betont.

Die Peritonitis wird mit einer einmaligen, d. h. örtlichen Blut-entziehung behandelt. Man legt auf die Stelle, welche am meistenschmerzhaft ist, gleich beim ersten Mal 810 Blutegel, lässt aber nichtnachbluten, fasst also die Blutegelstiche sofort nach deren Abfallen mitkleinen Hakenzängchen (Serre - fines), wenn sie auf das gewöhnlicheAndrücken von Feuerschwamm nicht zu bluten aufhören. Dann werdenEisblasen aufgelegt, gegen den Meteorismus hohe Irrigationen per Rec-tum mit lauem Wasser gemacht. Auch Terpentinklystiere sind schonempfohlen worden. Von G.Veit und Traube ist .der Anwendung vonQuecksilbereinreibungen das Wort geredet worden. Doch scheint dabeinicht viel Erfolg erzielt worden zu sein.

Die Schmerzen, welche von der Entzündung des Bauchfelles her-rühren, müssen durch Antiphlogose beseitigt werden. Narcotica dagegenzu geben, soll man sich hüten, weil leicht ein rascher Verfall mitrapider Beschleunigung des Pulses eintritt.

Gegen Meteorismus und Peritonitis ist von Armstrong, Seyfertund Breslau die purgative Methode mit grossen Dosen von Natr.sulph. und Magnesia sulph. empfohlen worden. So wichtig es ist, einespontan eintretende Diarrhoe nicht aufzuhalten, weil man hoffen kann,dass auf diesem Wege die septischen Stoffe ausgeschieden werden, undweil auch im späteren Verlauf ein Durchbruch in den Darm sich damitvorbereitet, so unrichtig ist es, durch starke Purgantien ableiten zu

') Vergl. darüber weiter Glöckner, Diss. Halle 1886.