Die Behandlung des Kindbettfiebers. 511
fiebers verschieden. Sie muss, so lange man Fäulnisskeime und derenchemischen Producte in der Uterushöhle vermuthen kann, eine nachchirurgischen Grundsätzen geleitete, intrauterine Therapie sein.
Ganz besonders nothwendig ist dieselbe bei Tympanites uteri.Wir haben oben angegeben, dass man dabei nicht versäumen darf, dieGebärmutterhöhle gleich nach der Geburt mit einigen Litern Wasseroder einer Desinfectionslösung gründlich auszuspülen. Wir vertretenüberhaupt den Grundsatz, dass eine gründliche Ausspülung derGebärmutterhöhle in prophylactischer Rücksicht überall dageboten ist, wo die Hand zur Entbindung in die Gebärmuttereingeführt werden musste. Wenn bei einer Neuentbundenen Fiebereintritt, so ist die erste Pflicht, nachzusehen, ob nicht belegte Risse,zurückgebliebene Blutgerinnsel zu finden sind. Wenn dergleichen Ur-sachen nicht entdeckt werden, so ist es richtig, gleich auf frischer Thateine reinigende Ausspülung der Gebärmutterhöhle mittels desIrrigators auszuführen.
Der Arzt kann die Gebärmutterausspülung in der früher üblichenWeise unter Leitung des Fingers machen. Die Wöchnerin wird aufeine Bettschüssel oder in das Querbett gebracht und ein gläsernes oderein metallenes Mutterrohr, das vorn viele Oeffnungen hat, wie sonstdie Uterussonde in die Gebärmutterhöhle hinaufgeführt. Die ganzeManipulation muss mit grösster Vorsicht, so behutsam geschehen, dassan den leicht verletzbaren, in Heilung begriffenen Geschlechtstheilenkeine wund gewesene Stelle wieder aufgerissen wird. Luft einzuspritzenmuss vermieden werden. Es ist dies leicht, indem man kurz vor demEinschieben in den Uterus das Wasser durchfliessen lässt und dannden Hahn schliesst oder den Schlauch zudrückt.
Wir möchten ein neues Verfahren in mancher Hinsicht empfehlen,nämlich alles unter Einstellung der Portio, also unter Leitung der Augenauszuführen. Die Frau wird auf das Querbett gelegt und werden dieBeine zurückgeschlagen. In die Scheide kommt ein zweiblättriges Klapp-speculum nach Cusco, welches beim Oeffnen die Portio einzustellengestattet. Nun wird erst die Scheide und der Halskanal so weit alsmöglich mit Sublimatlösung und Watte desinficirt und dann erst dasGlasrohr in die Gebärmutter hinaufgeführt. Noch besser soll zuerstnur gekochtes Wasser durchfliessen und wie der Abfluss gesichert ist,die Desinfectionsflüssigkeit in die Spülkanne eingegossen werden.
Wenn auch das Einstellen und die Lagerung zunächst eine Un-bequemlichkeit für die Frau bedingt und im Privathaus auch wegendes Schamgefühles zunächst mehr Anstoss erregt, sind doch die Frauensofort zu gewinnen, wenn man ihnen begreiflich macht, dass geradediese Art für sie besser und schmerzloser sei.
Dies kann man mit gutem Gewissen behaupten. Die Vortheile sind:
1) dass man sicher vermeidet, Scheidensecrete, welche stets sep-tische und pyogene Eigenschaften haben, in die Gebärmutter-höhle zu verschleppen;
2) dass das Einführen des Rohres viel schonender möglich ist;