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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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510
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510 Die Behandlung des Kindbettfiebers.

9) Gelangen die eiterbildenden Coccen in den Lymphgefässstrom,sei es direct, sei es durch Bindegeivebsspalten, so entsteht daraus dielymphangitische oder lymphatische Form.

10) Die septichämische Form des Puerperalfiebers zeichnet sich ausdurch die Prostration der Erkrankten, durch elenden Puls, baldigeSomnolenz. Hier kann jedoch eine locale Behandlung in früher Zeitam meisten nützen.

11) Bas Hauptmerkmal der phlebo-thrombotischen Form sind dieoft wiederkehrenden Schüttelfröste, die Embolieen und die Endocarditis.

12) Die lymphangitische Form des Puerperalfiebers zieht besondersdas Peritoneum, die Pleurae, die Synoviae, kurz alle serösen Häute undGelenke in Mitleidenschaft. Ebenso auch die Drüsen. Es folgt alsoleicht eine Peritonitis, Pleuritis u. s. w. auf die hifection nach.

Gewöhnlich tritt dabei nur ein Schüttelfrost auf.Durch baldige Abgrenzung dieser Infectionen werden die peri- undparametritischen Exsudate und Äbscesse gebildet.

13) Die erste und bedeutungsvollste Erscheinung des Puerperal-fiebers ist das Fieber. Dasselbe fehlt nie, bezw. wo vollkommen normaleTemperatur (in der Achselhöhle 37,6 ° C. in maximo) besteht, ist eineallfällig auftretende Erkrankung kein Kindbettfieber.

14) Mindestens ebenso wichtig als die Höhe der Temperatur sindFrequenz und Stärke des Pidses.

15) Von prognostisch grosser Bedeutung ist der Zeitpunct fürEintritt des Fiebers. Baldiges Auftreten desselben am 1. oder 2. Tagist sehr bedenklich.

16) Der Schüttelfrost ist ein Zeichen für eine massenhafte Ueber-schioemmung des Blutes mit pyrogenen Substanzen.

17) Die Lochienabsonderung des Uterus wird bei Infection der Ge-bärmutterhöhle vermehrt.

18) Die Schmerzen sind fast nur bedingt durch Entzündung desPeritoneum, überhaupt der serösen Häute und Gelenke oder bei Ver-stopfung der grossen Gefässe des Schenkels.

19) Erbrechen, Aufstossen und Meteorismus sind Zeichen schwerster,peritonealer Sepsis und Entzündung, und geben eine äusserst traurigePrognose.

Die Behandlung des Kindbettfiebers.

Nachdem wir uns über die Hauptsache, nämlich die Verhütung,im ersten Kapitel des Buches ausgesprochen haben, beschränken wiruns hier auf die Behandlung der ausgebrochenen Krankheit.

Wir nehmen an, dass wo ein Arzt die Behandlung einer Geburtübernommen und auch die Wöchnerin sich seinem Rathe anvertrauthat, in jedem Fall, auch im Privathaus, regelmässig täglich2mal die Körperwärme gemessen wird. Die geringsten Störungendes Wohlbefindens kündigen sich an diesem feinen Reagens an.

Die Behandlung ist bei den verschiedenen Formen des Puerperal-