512 Die Behandlung des Kindbettfiebers.
3) dass man den Abfluss des Wassers und der Carbollösung oderCreolinemulsion genau controlirt und allen Schüttelfrösten undsonstigen Zufällen sicher vorbeugt;
4) dass ein Arzt solche Ausspülungen bei septischen Wöchnerinnenvornehmen kann, ohne die Genitalien und die Absonderungder Kranken berühren zu müssen, also ohne sich im geringstenzu inficiren.
Das Verfahren wurde für die Lochienentnahme von meinem Assi-stenten Dr. Döderlein eingeführt und seitdem für die Intrauterin -injectionen von uns beibehalten.
Die Lösungen, welche man benützt, sind von Carbolsäure (Phenol)2— 2 1 J2 °/o oder von Creolin bis zu 1 °[o. Zur Herstellung der Carbol-lösung führt man am bequemsten eine concentrirte alcoholische Lösungmit und benützt ein kleines Mensurglas von 25 ccm, z. B. Acid. carbol.90,0, Spir. vini alcohol 10,0, solve d. s. 25 ccm auf 1 Liter Wasserdies gibt annähernd die verlangte Concentration. Diese Vorschrift giltnur für Aerzte. Bei der grossen Giftigkeit des Sublimats ist eine intra-uterine Injection sehr gefährlich und im allgemeinen zu widerrathen. Manhat es nicht in der Hand, die Vergiftung sicher zu vermeiden. Für dieScheide jedoch und zur Desinfection der Hände ist es unübertrefflich.Hat man eine Lösung Hydrarg. bichlor. corrosiv. 2,0, aq. dest. 100,0,so geben 25 ccm. auf 1 Liter Wasser eine Lösung von 1 : 2000. Nochbequemer sind die käuflichen Pastillen von Sublimat und Carbolsäure.
Da nun, wie wir später noch ausführen werden, die Intra-uterininjeetionen keineswegs gleichgültig sind, die stürmi-schen Erscheinungen aber fast immer nur beim Einführendes Mutterrohres, besonders wenn dies schwer eingeht, vor-kommen, gebe ich den Rath, verschiedene mehr oder wenigerstark gekrümmte Röhren zur Verfügung zu halten und wennsich bei einer schwächer gekrümmten Schwierigkeiten ergeben, sofortdie stärker gekrümmte zu nehmen. Der Uterus liegt meistens inAnteversion- oder Anteflexionstellung.
Historisches. Die intrauterinen Einspritzungen bei Wöchnerinnen wurdenschon in sehr früher Zeit gegen Gebärmutterblutungen und zum Wegspülen vonNachgeburtstheilen angewendet. Schon Galen scheint solche gekannt zu haben.
Um kurz auf die Entwicklung dieser Therapie zurückzublicken, erwähnenwir, dass Guillon 1825 eine Tannininjection gegen Metrorrhagie mit gutem Erfolgausführte, Bonnet 1850 bei Puerperalfieber mit schlechtem Ausgang. Kiwi sehberichtete von Kaltwasserinjectionen in den Uterus, Dupierris machte solche mitJodtinctur gegen Blutungen mit ausgezeichnetem Erfolg in jeder Hinsicht, wasauch von Nöggerath bestätigt wurde.
Methodisch bei jeder Wöchnerin wurden aber Gebärmuttereinspritzungenzuerst von O. v. Grünewald gemacht, um bei einer Puerperalfieberepidemie dasweitere Umsichgreifen zu vermeiden. Je mehr sie gemacht wurden, um so mehrstellten sich die Injectionen als ungefährlich heraus. Die Besorgniss vor den Ge-bärmuttereinspritzungen bei Wöchnerinnen war von den Erfahrungen abgeleitet,die man an schwangeren Personen gemacht hatte.
Die Anpassung der geburtshülflichen Therapie an die chirurgische hat inden letzten Jahren eine ganze Reihe neuer Vorschläge hervorgerufen.