508 Würdigung der einzelnen Symptome.
die antiphlogistische Behandlung in ausgezeichneter Weise schmerz-stillend wirkt.
So berechtigt es ist, im allgemeinen den Schmerz als Zeichender Peritonitis anzusehen, so ist doch dies Symptom keineswegs vonvollkommener Zuverlässigkeit. Es gibt schwere Formen sowohl vonchronischer als von acuter Peritonitis, in denen dieses Zeichen fehltoder doch so in den Hintergrund tritt, dass es der Beachtung entgehenund die Diagnose Peritonitis nicht gestellt werden kann.
Ausser diesen peritonitischen Schmerzen kommen auch heftigeNachwehen bei allen Entzündungen der Gebärmutter hinzu. Nach-wehen kommen bei Mehrgebärenden häufig genug vor, ohne dass siepathologische Bedeutung haben. Bei Erstgebärenden haben sie immerein schlimmes Omen.
Dass auch bei entzündlicher Erkrankung aller fernen Organevon dort aus neue Schmerzen angeregt werden, ist leicht begreiflich,muss aber ausser unserer Besprechung bleiben. Meteorismus kommtvon Darmlähmung in Folge von ödematöser Auftreibung der Darm-wand. Bei stark aufgetriebenen Därmen und grosser Empfindlichkeitdes Leibes ist grosse Gefahr vorhanden. Zum bedenklichsten gehörtdas häufige Erbrechen und Aufstossen. Das Ausgeworfene istmeist grasgrün. Die Zunge wird trocken, borkig; oft verbreitet sichein seltsamer säuerlicher Geruch aus dem Munde. Selten wird eineKranke genesen, bei der sich das häufige Erbrechen im Wochenbett,zugleich Fieber mit Schmerzen u. s. w. eingestellt haben. Nicht vielbesser ist der Singultus, das Aufstossen.
Bei diesen schweren Erscheinungen prägt sich auch früh in demGesicht eine seltsame, befremdende Veränderung, eine Entstellungder Gesichtszüge aus. Blasse Gesichter werden roth, rothe blass,die Züge nehmen einen ängstlichen, unruhigen Ausdruck an. Pro-gnostisch ist dieses Zeichen äusserst schlecht.
Die Dyspnoe kommt in der Mehrzahl der Fälle von Lungen-infarcten oder von acuter Endocarditis vor.
Albuminurie ist in den schweren Formen fast immer da undprognostisch sehr wichtig.
Man merke sich den Grundsatz, wenn es gegen Ende gehenwill, Lungen und Urin häufig zu untersuchen, weil sich da immernoch in relativ kurzer Zeit grosse Veränderungen ausbilden können,die sonst bei der Section überraschen.
Die Diagnose der einzelnen Formen des Puerperalfiebers istnicht immer möglich, schon deswegen, weil sich dieselben combinirenkönnen. Sie ist wichtig zur Stellung der Prognose und Einhaltungeiner rationellen Therapie.
Die leitenden Grundsätze der Diagnose ergeben sich aus derSymptomatologie, vergl. Seite 497.